Ökumene ist der Versuch einer gelebten Antwort auf den biblischen Auftrag der Christen zur Einheit

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Ist Einheit möglich? Gedanken 15 Jahre später...

Antworten auf die Frage, wo die Ökumene heute steht

Antwort an einen Leser meiner Zulassungsarbeit

liebe Leser dieses Forums,

 

was kann ich heute über einen Text sagen, der am Ende meines Studiums stand? Zuerst: Ich stehe auch heute dazu. Doch in der theologischen Diskussion muss man sich oft auf Argumentationsebenen begeben, die eigentlich nicht nötig wären. Prof. Dr. Otto Hermann Pesch benannte die Hauptaufgabe der Theologie einmal sinngemäß damit, den Ballast zu beseitigen, den Theologie im Lauf der Geschichte aufgeschichtet hat. Deshalb ist es nötig, dass manche auch auf dieser Ebene streiten, gerade auch in der Ökumene, um Barrieren niederzureißen, die menschliches Denken aufgerichtet hat und die uns den Blick auf Leben, Tod und Auferstehung des menschgewordenen Gottes versperren. Prof. Heinrich Fries, einer der beiden Verfasser des Dokuments, über das ich meine Arbeit geschrieben habe, hat dies ähnlich gesehen. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Ökumenischer Kreise durfte ich manche Veranstaltung mit ihm erleben: Sein Ziel war es, Ökumene denkbar zu machen. Er tat dies aus römisch.katholischer Sicht und ich habe dazu meine bescheidene evangelische Sicht beigesteuert. Und in diesem Sinn bin ich sicher auch heute noch ein streitbarer Ökumeniker, der seine reformatorische Herkunft nicht verleugnet.

 

Doch die Grundfrage für Theologen wie für Laien ist: Wie können Leben, Tod und Auferstehung Maßstab und Mittelpunkt meines Lebens werden? Dahinter steht zweierlei: Einerseits die Erfahrung meiner Begrenztheit als Mensch, der durch Fehler, Schwächen, Sünde geprägt ist und doch von Gott geliebt wird. Diese Erfahrung der Grenzen meiner Erkenntnisfähigkeit und der Fähigkeit das von Gott gewollte Gute zu leben, sind der Anfang der Einheit der Christen. Aus dieser Erkenntnis ist der christliche Glaube ein toleranter Glaube, auch wenn Menschen immer wieder Ihre Begrenztheit zum Absoluten gemacht haben.

 

Doch man möge dies nicht mit Beliebigkeit verwechseln: Ich kann als Christ nur auf Christus verweisen und darauf, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Der Verweis auf diese Lebensmitte heißt zugleich, dass ich nicht auf mich verweise und das in dem Mensch gewordenen Gott eine Mitte existiert und Gemeinschaft schafft, die ich mit Nicht-Christen nicht habe.

 

Doch letztlich bleiben auch solche Gedanken tot, wenn ich nicht offen bin für eine lebendige Beziehung zu Gott, dem Schöpfer, zu dem Gott der Mensch wurde und zu Gott, der mit seinem Heiligen Geist in mir wohnen will und der uns zu Brüdern und Schwestern im Glauben macht.

 

Wo stehen wir heute bei der Frage nach dieser Gemeinschaft? Einerseits ist die Aufbruchsstimmung in der Ökumene seit 15 oder 20 Jahren vergangen. Die Älteren, die die Bitterkeit der Spaltung vor und nach dem II. Weltkrieg noch erlebt haben und aus dieser zu Kämpfern für die Einheit des Leibes Christ wurden, sie sind gestorben oder sehr alt. Mit ihnen sterben auch einstmals lebendige Organisationen der Ökumene ab. Auch jene, die in der Ökumene nur eine Art revolutionäre Politgemeinschaft nach dem Vorbild Jesu sahen, sind zum überwiegenden Teil resigniert. Sie haben der Suche nach der Einheit in Christus ebenso geschadet, wie jene, die Ökumene unter Christen mit dem interreligiösen Dialog gleichsetzten.

 

Andererseits ist vieles heute möglich, was noch vor Jahren undenkbar war. Dieses Jahr 2004 konnte ich persönlich zwei Meilensteine miterleben: Die Rede von Kardinal Walter Kasper auf dem Katholikentag in Ulm, bei der er die Ängstlichkeit vieler Amtsträger in Fragen der Ökumene in die Schranken wies und die Aktion "Miteinander für Europa - Christliche Bewegungen und Gemeinschaften.", die in Stuttgart stattfand. Hier kamen die zusammen, denen wir es gar nicht zugetraut hätten: Marienschwestern der Schönstadtbewegung und Pfingstgemeinden und so viele Christen, die bislang durch weite Gräben getrennt waren, kamen zum Beten und Feiern zusammen - und um zu entdecken, dass zusammengehört was Jesus Christus zusammenhält.

 

Gott befohlen

 

Ihr und Euer Jörg Beyer







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