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Die Abtreibung und die Konfessionen

Leserbrief in SZ und FAZ

Die Machtgier von Kardinal Meisner, der Versuch, sich die Hände auf Kosten der Mütter und der ungeborenen Kinder in Unschuld zu waschen sowie die inzwischen selbst in streng katholischen Dörfern ignorierten Vorgaben Roms zur Empfängnisverhütung haben das katholische Engagement in der Abtreibungsfrage unglaubwürdig gemacht. Einen solchen glaubwürdigen Einsatz hätten die beiden Opfer, Mütter wie ungeborene Kinder dringend in einer Gesellschaft gebraucht, in der selbst die evangelischen Kirchen sich offensichtlich mit dem Schwangerschaftsabbruch als gesellschaftlicher Normalität abgefunden haben.

 

So werden die dringend nötigen Anfragen der Christinnen und Christen wohl in Zukunft noch ungehörter verhallen, da sich die katholischen Würdenträger selbst ad absurdum führen, während die evangelischen verstummen. Doch Denkanstöße sind nötig, um die Leben der Ungeborenen zu retten. Dabei gilt es, das Urteil des Verfassungsgerichtes zur Entlastung der Familien konsequent umzusetzen. Es gilt deutlich zu machen, dass Verhütung einerseits eine Grundfrage der Verantwortung ist, dass andererseits Geschlechtsverkehr Verantwortung mit sich bringt, weil auch Verhütungsmittel versagen können. Auch muss bewusst werden, dass der psychische Schaden bei einer Abtreibung weit schlimmer sein kann als der ohne. Schließlich ist auch Kreativität in der Gesetzgebung gefordert, etwa durch einen Paragrafen, der die Anstiftung zur Abtreibung zum persönlichen Nutzen bestraft. Denn sehr oft ist gerade der Druck des Partners und der Familie ausschlaggebend für die Entscheidung der Frau.

 

Was bleibt? Die Katholiken tun gut daran, Kardinal Meisner, wo immer er sich blicken lässt, - vielleicht sogar ganz konkret - die Rote Karte zu zeigen oder sie ihm sogar per Post zu schicken. Sie tun gut daran, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz Lehmann den Rücken zu stärken, dem es bis an die Grenze der eigenen Unglaubwürdigkeit um die Opfer geht. Und sie tun gut daran, die Beratung - schlimmstenfalls auch im offenen Widerstand gegen Köln, Fulda und Rom - in ihrer derzeitigen Form fortzusetzen. Die evangelischen Christen aber sollten ihre Funktionsträger auffordern, endlich in aller Deutlichkeit einem Zeitgeist zu widersprechen, der den erfolgreichen Geschlechtsverkehr höher bewertet, als das Leben eines Kindes im Leib seiner Mutter. Denn so werden auch die Eltern zu Opfern eines verantwortungslosen Sexismus, den sie für Freiheit halten.

 

(Dieser Leserbrief wurde unter anderem in FAZ und Süddeutscher Zeitung veröffentlicht.)


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