Konfessionsverbindende Ehen und Familien sind kein Problem - Sie sind die Lösung
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Beate und Jörg BeyerBeate (geb. 1960, röm.-kath.) und Jörg (geb. 1958, ev.) Beyer verheiratet seit 1982, 3 Kinder (geb. 1990, 1992 und 1995)
Wenn konfessionsverschiedene Theologen heiraten, dann muss es Probleme geben. Diese Erfahrung mussten wir machen, als Anfang der achtziger Jahre aus einer Schülerliebe etwas sehr Ernsthaftes wurde. Und so wollten uns viele voreinander "retten", drängten zur Trennung oder dazu, dass einer von uns doch das Studium aufgibt und konvertiert. Es war ein langes Ringen in Gebet, Gesprächen und Nachdenken, das dazu führte, dass wir unsere Studien zu Ende führten: Beate als katholische Religionspädagogin, der Beruf, in dem sie bis heute an einer Berufsschule als Religionslehrerin tätig ist. Jörg als evangelischer Theologe, der nicht Pfarrer werden konnte, sondern heute in der freien Wirtschaft Chefredakteur einer PR-Agentur ist. Ausschlaggebend war, dass beide Konfessionen von uns erwarteten, die Kinder in ihr zu taufen, was ja die Mitgliedschaft in der entsprechenden Konfession bedeutet. Evangelischerseits wäre pikanter Weise ein Verzicht auf die Taufe unter Verweis auf eine Erwachsenen-Taufe eher möglich gewesen, als eine katholische Konfessionszugehörigkeit.
Wir haben uns nach verschiedenen Abwägungen entschieden, dass Beate in den Beruf als Religionslehrerin geht. Eine Konversion wäre sicher einfacher gewesen, doch hätte dies die Kapitulation vor der Sünde der Spaltung des Leibes Christi bedeutet, in der die Konfessionen bis heute leben. Besonders schmerzhaft war die Erfahrung, dass es evangelischerseits weit problemloser ist, nach einer Scheidung, mit einem atheistischen, aber kirchesteuerzahlenden Partner oder in manch anderer unchristlicher Lebenssituation Pfarrer zu werden, als mit einer gläubigen Katholikin. Ebenso problematisch ist die Erfahrung, dass die römisch-katholischerseits der Umgang mit konfessionsverbindenden Paaren noch immer von der "Ehescheidung am Tisch des Herrn" geprägt ist, auch wenn wir persönlich in diesem Bereich viele positive Erfahrungen gemacht haben.
Für die Zukunft der einen Kirche Jesu Christi sind wir überzeugt, dass konfessionsverbindende Ehen und Familien nicht das Problem, sondern die Lösung sind. Die Konfessionen mögen sich deshalb auf ihre gemeinsame Schuld der Spaltung des Leibes Christi besinnen und nach Wegen der Gemeinsamkeit suchen, insbesondere am Tisch des Herrn.
Diese Überzeugung geben wir auch an unsere Kinder weiter. Als Katholiken gehen sie zur Erstkommunion, die beiden Großen sind Ministranten. Sie gehen aber mit eben derselben Selbstverständlichkeit in die evangelische Gemeinde, wirken dort im Posaunenchor und bei der Gottesdienstgestaltung mit - und erleben so die Vielfalt lebendiger Gemeinden und keine Verunsicherung.
Bericht in der "Kirchenzeitung" Einen kleinen Blick auf uns gibt vielleicht dieser Text von Burkhard Jürgens aus der Kirchenzeitung, der kurz vor dem ökumenischen Kirchentag erschien:
Plötzlich interessieren sich alle für die Beyers. Die Deutsche Welle war mit einem Fernsehteam bei ihnen zu Hause in Tübingen, der Sender Freies Berlin klopfte an, Journalisten erbaten Stellungnahmen. Vor dem Ökumenischen Kirchentag schien alle Welt wissen zu wollen, wie das ist, wenn ein evangelischer und ein katholischer Partner ihre Ehe als Hausgemeinde leben, in der die Kircheneinheit im Kleinen verwirklicht ist – oder auch nicht. Kirchenrechtlich gelten auch für ein konfessionsverbindendes Paar wie Beate und Jörg Beyer keine Sonderrechte, was die Teilnahme an der Eucharistie für den nichtkatholischen Partner angeht. Zwar ist die Ehe, die konfessionsverschiedene Partner führen, ein Sakrament, und oft trägt der nichtkatholische Elternteil einen bedeutenden Part, wenn es darum geht, die Kinder im katholischen Glauben zu erziehen. Aber beim Kommunionempfang endet die Gemeinsamkeit – offiziell jedenfalls. Das erlebten auch die Beyers: Die katholische Theologin und Religionslehrerin hatte mit ihrem Mann, evangelischer Theologe und Journalist, ihren Ältesten ein halbes Jahr lang auf die erste Kommunion vorbereitet. Ginge es nach dem Kirchenrecht, hätte Vater Beyer am Weißen Sonntag nicht mit seinem Sohn kommunizieren dürfen. „Wir können unserem Kind doch nicht erzählen: ‚Jesus lädt uns ein‘, und dann soll der Vater bei der Erstkommunion in der Bank sitzen bleiben“, sagt Beate Beyer.
Ihre Familie, die sie „unsere Hauskirche“ nennt, geht gemeinsam zum Altar. Aber damit bewegt sie sich in einer Grauzone zwischen Akzeptanz in der Gemeinde und faktischem Verbot durch das Kirchenrecht. Beyers kennen die Untiefen dieses Reviers recht genau: Frau Beyer schrieb lange vor ihrer Familienzeit eine theologische Diplomarbeit über „Mischehen“, beide gaben später ein Taschenbuch über konfessionsverbindende Ehen heraus. Sie waren auch von Anfang an dabei, als sich 1999 das deutschlandweite „Netzwerk Ökumene: konfessionsverbindender Paare und Familien in Deutschland“ formierte.
Gespräch in Radio RBB "Wir leben die Zukunft der Kirche"
Porträt einer evangelisch-katholischen Ehe: Jörg und Beate Beyer von Netzwerk Ökumene. Ein Radio-Beitrag von Daniela Siebert für Radio RBB in der Sendung Kirche Kompakt vom 04.06.2005, 18:25 Uhr
Seite der Sendung bei RBB mit Tonfile |
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