Eine kurze Geschichte der interkonfessionellen Ehe
Eine knappe und nüchterne Zusammenfassung der Kirchengeschichte
Grundlagen
Gottes Berufung zur Ehe nimmt keine Rücksicht auf die gegen Gottes Willen im Lauf der Kirchengeschichte gewachsene Spaltung der Christen. Deshalb gab es konfessionsverschiedene Paare seit es Gemeinden und Denominationen gibt, die nebeneinander existieren. Sie waren und sind oft bis heute die Haupt-Leidtragenden der Spaltung: Denn was vor Gott in Jesus Christus eins ist, erlebt im Glaubensleben die Trennung. Die Ursachen dafür liegen tief. Bereits unter den ersten Nachfolgern Jesu bestanden so starke Differenzen, dass in der Bibel von Streit die Rede ist (Lukas 22). Jesus hinterließ uns vor diesem Hintergrund das eindrucksvolle Gebet um die Einheit in Johannes 17. Nach Ostern und Pfingsten treten schnell starke Streitigkeiten in der ersten Kirche und ihren Gemeinden auf: Beispielhaft erwähnt seien hier nur der Streit um die Beschneidung von Nichtjuden, der zum Apostelkonzil führte, (Apostelgeschichte 15) und um die Frage nach der geistlichen Leitung, die dem Anfang des Korintherbriefs (Korinther 1) zugrunde liegt.
Die Ost-West-Spaltung
Bereits in den ersten Jahrhunderten trennten sich viele Gruppen von der Kirche, um auch hier nur beispielhaft Arianer, Pelagianer und Nestorianer zu nennen. Parallel dazu begann die Spaltung in die orthodoxe Ost- und die römisch-katholische West-Kirche. Sie hatte in der Aufteilung des Römischen Imperiums in ein west- und ein oströmisches Reich ihre politische Basis. Ein theologischer Schwerpunkt war der Streit um Jesus Christus als zweiter Ausgangspunkt des Heiligen Geistes, der 589 begann und um 1000 einen Abschluss fand: Im Westen wurde das Wörtchen filioque (... und Sohn) in das allgemeinverbindliche Glaubensbekenntnis von Nicäa und Konstantinopel eingefügt. Die Auseinandersetzungen führten 1054 zur gegenseitigen Exkommunikation, welche die Trennung besiegelte.
Die Trennung innerhalb der West-Kirche
Schon 1184 wurden die ursprünglich in Lyon beheimateten Waldenser exkommuniziert, sodass eine erste, von Rom unabhängige, Glaubensgemeinschaft mit stark reformatorischen Zügen enstand. Es folgte der Voreformator Johannes Hus, der auf dem Konstanzer Konzil als Ketzer verbrannt wurde. Die erste Hälfte des 16. Jahrunderts erlebte dann die eigentlichen Reformationen durch Martin Luther in Wittenberg und Johannes Calvin in Genf. Hinzu kamen das Entstehen verschiedener Täuferbewegungen und die Abspaltung der Anglikanischer im selben Zeitraum im selben Zeitraum. Später bildeten sich dann weitere Konfessionen wie Baptisten oder Methodisten im evangelischen und die Altkatholiken im katholischen Umfeld.
Die Ökumenische Bewegung und die interkonfessionelle Ehe
Am Anfang aller Bemühung um Einheit steht der Auftrag durch Jesus Christus, der auch durch den Apostel Paulus eindrucksvoll zur Sprache kommt (Römer 12). Davon ließen sich Christen zu allen Zeiten aufrufen: So alt, wie die Spaltung, ist das oft verzweifelte Engagement meist einzelner Christinnen und Christen in verantwortlichen Positionen, die Einheit wiederherzustellen. Derartige Versuche gab es jeweils auf beiden Seiten auch während der Ost-West-Spaltung, während der Reformation und im Zusammenhang mit den innerreformatorischen Spaltungen. Insbesondere die innerreformatorische Ökumene begann bereits Anfang des 19. Jahrhunderts mit regionalen Unionen aus lutherischen und reformierten Kirchen. Das 20. Jahrhundert ist aus heutiger Sicht das Jahrhundert der Ökumene. Ein erster Schritt war 1914 die Gründung des "Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen", dem sich neben den reformatorischen auch die orthodoxen Kirchen anschlossen. 1948 entstand daraus der ökumenische Rat der Kirchen. Mit den II. Vatikanischen Konzil 1962-65 begab sich auch die römisch-katholische Kirche auf den Weg der Ökumene. In der Folge dieser Schritte konnte man gerade in den siebziger Jahren von einem "ökumenischen Frühling" sprechen, weil viele Fragen des interkonfessionellen Miteinanders neu geregelt wurden: beispielsweise durch die gegenseitige Anerkennung der Taufe, den Verzicht auf Zwangs-Konversionen des konfessionsverschiedenen Partners, die verpflichtende konfessionelle Zugehörigkeit der Kinder, die Möglichkeiten der Beteiligung des konfessionsverschiedenen Partners am Gottesdienst und ein stärkeres Miteinander der Christen vor Ort. Neben der Ökumene der hochrangigen Amtsträger war der ökumenische Prozess seit Anfang des 20. Jahrhunderts durch das Engagement einzelner Christinnen und Christen ohne leitendes Amt geprägt, darunter viele Nichttheologen. Hier waren und sind bis heute konfessionsverschiedene Paare eine treibende Kraft,
da sie in ihren Ehen die Spaltung und die Einheit im Alltag leben wie kaum ein anderer Christ.
So bahnen sie der Einheit der Christen den Weg, gemäß dem Gebet Jesu: "Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien." 
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