Ökumene ist der Versuch einer gelebten Antwort auf den biblischen Auftrag der Christen zur Einheit

oekumene.net - das Ökumene-Netz

   Suchen      Service & Kontakt      Gästebuch      Impressum   





Auferstehung: Nichts geht ohne den Vater

Predigt über Jh. 5, 19-21 am 9.4.2007 in Derendingen

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Amen.

Der Predigttext für die Osternacht steht der Ordnung unserer Landeskirche in Johannes 5, 19-21: Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn. Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen, sodass ihr euch verwundern werdet. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.

Liebe Osternachts-Gemeinde:

"Wenn ein beliebiger Mann ähnliche Sachen gesagt hätte, wie Jesus sie sagt, wäre er kein großartiger Morallehrer gewesen. Sie müssen sich entscheiden, was Sie von Jesus halten. Entweder war, und ist, er der Sohn Gottes, oder er war ein Spinner - oder etwas noch Schlimmeres. Sie können ihn als Spinner einsperren oder ihm zu Füssen fallen und ihn als Herr und Gott anerkennen. Aber eines soll uns klar sein: Er war ganz sicher nicht einfach ein großartiger menschlicher Lehrer. Diese Möglichkeit hat er uns nicht offen gelassen." So schreibt es der Schriftsteller C.S. Lewis. Und er unterstreicht damit eindeutig die Wahl, die uns der Predigttext lässt.

Vor dieser Frage standen auch die Juden, auf deren Unverständnis Jesus reagiert: Nach der ersten Todesdrohung begründet er, warum er sich all das herausnimmt, warum er eben nicht nur irgendein Rabbiner, ein Lehrer ist. Und er legt damit die Grundlage für so unfassbar große Worte wie „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, “Ich bin das Brot des Lebens“ oder ganz österlich „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist.“ Doch Jesus begegnet seinen Zeitgenossen als Mensch aus Fleisch und Blut – ohne Heiligenschein und wahrscheinlich auch nicht im Nazarener- oder Hippie-Look mit langem Walle-Haar und Mittelscheitel.

Und alle klugen Worte über die Menschwerdung Gottes könnten auch wir uns sparen, wäre er nicht Mensch unter Menschen gewesen. So ist die Frage für jeden gläubigen Juden seiner Zeit erst einmal selbstverständlich: „Wieso tut dieser Jesus aus Nazareth, der Sohn des Zimmermanns das alles? Da könnte ja jeder kommen!“

Und doch haben manche schon eine Ahnung, dass es da noch eine andere Wirklichkeit gibt: Johannes der Täufer und alle um ihn herum, die Gäste beim Weinwunder in Kana, Menschen, die geheilt wurden, jene die seinen Rat suchten und auf sein Wort hörten - und natürlich die Jünger, die ihm deshalb sogar nachfolgten. Sie hatten eine Ahnung von dieser anderen Wirklichkeit.

Darüber spricht Jesus in unserem Osternachtstext: Er kennt die Grenzen von Fleisch und Blut und er weiß, dass nur Gott sie sprengen kann. Denn in Allem, was den Rahmen dieser Welt sprengt, verweist Jesus auf den Vater. Vater, das ist der, zu dem Jesus Abba, Papi, lieber Vater sagt. Vater, das ist der Ausdruck für ein Verhältnis: Distanzlose Nähe – und doch das Wissen, das alles vom Vater ausgeht.

Natürlich ein Bild für eine Wirklichkeit, die weiter reicht. Doch ein Bild der Hoffnung. Und die Grundlage des Vertrauens. Damit wird konkret, was das Johannes-Evangelium an den Anfang stellt: Das Wort (Gottes) ist Fleisch geworden und wohnte unter uns. Doch auch das sind Worte, die jeder in vergeistigter Spekulation sagen könnte. Der Schlüssel für den Glauben an das Wort ist das Geschehen aus dem Wort: Die Heilungen und andere Wunder Jesu, die ja zum Teil bereits vor unserem Predigttext stehen.

Sie stellt Jesus durch seine Worte ins rechte Verhältnis: Nichts geht ohne Gott. Doch weil durch Jesus die Allmacht Gottes in die Ohnmacht der Menschen hineinstrahlt, ist für Jesus und durch Jesus alles möglich, sogar die Überwindung des Todes. Doch dieser Zuspruch bleibt wage, auch wenn Zeichen und Taten Jesu dafür sprechen. Erst in der Auferstehung, erst am Ostermorgen wird das große Ausrufezeichen Gottes hinter unserem Predigttext sichtbar.

Und damit wird der neue Weg zu Gott erkennbar, den Ostern öffnet: Gott bleibt nicht länger alleine der ferne strenge fordernde Gott, unnahbar, unverstehbar, mit dem Schwert des Gerichtes in der Hand. Durch Jesus ist er nahe, zeigt er seine Gnade, seine den Menschen zugewandte Seite – auch wenn die andere Seite bleibt: Manchmal so fern und unverstehbar angesichts eines Erdbebens, einer Krankheit oder all der Formen ganz persönlichen Zweifels und Verzweifelns.

Doch wir dürfen voll Vertrauen einen neuen Zugang zu Gott finden: Durch Jesus Christus, in dem Gott zu uns herunter gekommen ist – bis hinein in alle menschliche Not, hinein in die Todesangst. Ja bis zum Kreuz.

Er will hineinkommen in unser begrenztes Leben. Er will uns einen Weg zeigen, der weiter reicht als die Gräber, an denen wir gleich Auferstehungslieder singen werden. Er will uns lebendig machen, in dieser und der kommenden Welt. An Ostern ist er uns auf dem Weg des Lebens vorausgegangen. An Ostern lädt er jede und jeden auf den Weg des Lebens ein.

„Denn wie der Vater die Toten auferweckt und macht sie lebendig, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.“

So lasst uns voll Freude in den Osterruf einstimmen:

L: der Herr ist auferstanden – Halleluja

G: er ist wahrhaftig auferstanden – Halleluja

 


Copyright

© Copyright: Jörg Beyer, D 72072 Tübingen: Die Weitergabe des unveränderten Textes einschließlich dieses Copyrights und der E-Mail-Adresse mail@oekumene.net sowie der Homepage-Adresse 'http://oekumene.net' als Ausdruck oder per E- Mail zu nicht kommerziellen Zwecken ist ausdrücklich erwünscht. Ebenso erwünscht ist die Schaltung von Links auf die Homepage oekumene.net und auf diese Seite. Jegliche andere Verwendung - insbesondere auch die Veröffentlichung des Textes auf Homepages im Internet - bedarf der schriftlichen Genehmigung.



Einige persönliche Hinweise zu allen Predigten dieser Homepage








Impressum + Haftungsauschluss
E-Mail
© 1999 - 2012 Beate und Jörg Beyer