Ökumene ist der Versuch einer gelebten Antwort auf den biblischen Auftrag der Christen zur Einheit

oekumene.net - das Ökumene-Netz

   Suchen      Service & Kontakt      Gästebuch      Impressum   





Eine Brücke auf dem Weg des Lebens

Predigt am 8.2.2004 über Jh. 14, 1-6 bei der Tagung des Netzwerks Ökumene in Braunfels

Jh 14,1-6 Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, da­mit ihr seid, wo ich bin. Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr. Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; nie­mand kommt zum Vater denn durch mich.

 

Liebe Kinder, liebe Mitstreiter der Ökumene,

 

unerhört, unser heutiger Predigttext: Er wiederspricht zutiefst einer grundlegendenen Einstellung unserer Zeit, die vielerorts auch unter den Mitgliedern der Konfessionen präsent ist: „Das kann man doch alles auch ganz anders se­hen.“

Er wiederspricht aber auch jenen, die das Gegenteil predigen: Nur wenn Du zu uns ge­hörst, alles so machst, wie wir es sagen, dies genau tust und jenes lässt, dann hast Du bei Gott einen Platz. Doch auch ihnen entzieht sich Jesus Christus, - wenn er nämlich auf die Vielfalt der Wohnungen im Haus seines Vaters hinweist. Uns gibt der Predigttext so auch eine Beschreibung der Ökumene: „Die in Jesus Christus versöhnte Verschiedenheit unter einem Dach“, um ein Leitwort der ökumenischen Bewegung aufzunehmen und fortzuführen. Ökumene ist das Wissen um den einen Weg. Ökumene ist das Wissen um die vielen Wohnungen.

 

Wir sind hier versammelt, weil wir uns gemein­sam auf diesen Weg eingelassen haben, der Jesus Christus heißt. Wir sind aber auch zusammen, weil dieser Weg oft gerade durch Christen unterbrochen wurde, Wie reißende Bäche haben sie oft den Weg unterspült, ja tiefe Schluchten in den Weg gefressen, auf dem alle Christen gemeinsam unterwegs sind.

Ein Weg, der alle verbindet, die im Leben, im Kreuz und in der Auferstehung von Jesus Chris­tus den Grundmaßstab ihres Lebens gefunden haben. So ist es an der Zeit, über Brücken nach­zudenken, sie zu bauen, damit der Weg, die Wahrheit und das Leben in unserer Welt sichtbar werden. Ihr Kinder habt eine solche Brücken gebaut.

 

Wenn ich mir Eure Brückensteine anschaue, wenn ich mir anschaue, wie Brücke früher gebaut wurden, wie sie heute gebaut werden, dann möchte ich dieses Bild dreimal aufgreifen:

 

1.Am Anfang des Brückenbaus wir erst einmal das Material am Lagerplatz gesammelt. Da liegen Brückensteine neben Brückensteien. Schön eng ordentlich aufgeschitetet, in Bündeln gelagert. Vielleicht fühlen sich diese Steine dabei so richtig wohl: Wellness ist angesagt, auch in der Kirche: Wir kuscheln eng bei einander, werden nicht belastet und fühlen uns dabei richtig wohl. Doch Brücken­steine haben eine Aufgabe. Sie müssen be­lastbar sein. Sie sind nicht Selbstzweck. Und es reicht nicht, wenn sie sich auf dem Lager­platz eng zusammenkuscheln: Dann waren sie teuer – und bleiben nutzlos. Erst wenn sie ein­gesetzt werden, haben sie einen Sinn. Dabei können sie noch nicht einmal selbst entscheiden, wo sie eingesetzt werden. Und es gibt einen großen Unterschied zu denen, die am Ufer auf dem Lagerplatz liegen: Steine am Ufer dürfen zusammen kuscheln. Wenn ein Stein aus dem Stapel fällt, passiert nichts gra­vierendes. Die Steine einer Brücke müssen zusammenhalten, sonst stürzt die Brücke ein: Sicher eine Last, aber auch die Verbindlich­keit, dass wir einander brauchen!

 

2.Brücken brauchen ein massives Fundament auf jeder Seite, in der Mitte sind sie am dünnsten, am gefährdetsten, am zerbrechlichsten. Die Mitte der Brücke braucht ein starkes Fundament, das trägt. Aber: Ohne diese gewagte Mitte hat die Brücke keinerlei Wert, kann sie ihre Funktion nicht erfüllen. Und: Die Mitte wird am stärks­ten belastet und hängt - im wahrsten Sinne des Wortes – am meisten in der Luft – Eine Si­tuation, die wir als konfessionsverbindende Paare nur zu gut kennen: Belastet werden und in der Luft hängen. Das ist eben unsere Situation: Besonders, einzigartig, ent­scheidend – und doch: Wir können sie nur be­wältigen, wenn wir das Fundament an beiden Ufern suchen und finden können: Eine Her­ausforderung an uns und unsere Kon­fessionen. Der Brückenbau gelingt nur, wenn die Konfessionen bereit sind, uns zu tragen: Um unserer besonderen Aufgabe Willen. Der Brückenbau gelingt nur, wenn wir bereit sind, uns tragen zu lassen und nicht versuchen, das Mittelteil der Brücke sozu­sagen an einem Lufthaken frei fliegend aufzu­hängen. Der Einsturz wäre vorprogrammiert.

 

3.Brücke sind im Straßenbau das langwierigste und teuerste Projekt. Ihr Kinder habt das vielleicht schon einmal gesehen: Mitten auf der grünen Wiese wird eine Brücke gebaut, manchmal Jahre lang. Und erst, wenn die Brücke fast fertig ist, entsteht die Straße. Denn es ist einfach, auf ebenem Gelände eine Straße anzulegen. Es ist unglaublich schwie­rig, eine breite und tiefe Schlucht zu über­brücken. So bauen Christen seit über 150 Jahren an der Brücke der Ökumene. Und diese Brücke ist sehr weit fortgeschritten, sie ist fast fertig. Man kann sich überlegen, ob es sinnvoll ist, eine teuer Brücke zu bauen. Doch wenn bereits so lange an der Brücke gebaut wurde, dann wäre es das Allerdümmste, sie nicht schnellst möglich fertig zu stellen. Und dies ist in der Ökumene nur noch eine Frage des guten Willens und des gewiss nötigen Mutes. Mit den konfessionsverbindenden Ehen hängt bereits ein Abschluss-Stück am Haken des Krans. Es muss nur noch eingesetzt werden.

 

Noch einmal; Eine Brücke ist viel zu teuer und zu wertvoll, um nur Zierde, nur schön, nur ge­mütlich zu sein – und wenn es die Golden Gate Brücke in San Francisco ist. Sie hätte nur Schrottwert, könnten Menschen über sie nicht die Frisco Bucht überqueren. So ist es auch mit uns als Brücke zwischen den Konfessionen. Schön, dass es uns gibt. Und ich freue mich natürlich, dass es ein Netzwerk konfessionsverbindender Paare und Familien in Deutschland gibt. Aber für einen Kuschelclub müssen wir nicht deutschlandweit mobilisieren. Für einen Kuschelclub brauchen wir keine Bischöfe und Professoren. Entscheidend ist unsere Aufgabe: Wir dürfen und können mit Gottes Hilfe ein Glied sein, dass Brücken zum Abschluss bringt, die auf dem Weg zu Gott liegen. Denn Jesus Christus verfolgte ein Ziel, als er so flehentlich betete, dass wir alle eins seien: „Damit die Welt glauben kann.“ Es gibt deshalb eine Leitfrage: "Werden die Christen von den Nichtchristen als Gemeinschaft erfahren?" Das zählt. Das ist Maßstab der Ökumene. Das ist nicht nur Verpflichtung, es ist ein Auftrag und eine Ermutigung für uns alle. Denn in Gottes Haus gibt es viele Wohnungen. Jesus Christus ist der Weg, der uns dahin führt. Es ist der Weg von Karfreitag und Ostern, der die Begrenztheit unseres Lebens beendet. Deshalb haben wir Hoffnung in dieser und der kommmenden Welt.

AMEN

 

Jörg Beyer



Copyright

© Copyright: Jörg Beyer, D 72072 Tübingen: Die Weitergabe des unveränderten Textes einschließlich dieses Copyrights und der E-Mail-Adresse mail@oekumene.net sowie der Homepage-Adresse 'http://oekumene.net' als Ausdruck oder per E- Mail zu nicht kommerziellen Zwecken ist ausdrücklich erwünscht. Ebenso erwünscht ist die Schaltung von Links auf die Homepage oekumene.net und auf diese Seite. Jegliche andere Verwendung - insbesondere auch die Veröffentlichung des Textes auf Homepages im Internet - bedarf der schriftlichen Genehmigung.



Einige persönliche Hinweise zu allen Predigten dieser Homepage








Impressum + Haftungsauschluss
E-Mail
© 1999 - 2012 Beate und Jörg Beyer