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Hoffnung auch nach Erfurt: Gott gibt den Müden und Matten Kraft

Predigt über Jes 40,26-31 am 4.5.2002 in Bernhausen

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen - Amen

Predigttext: Jes 40,26-31

Hebet eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, daß nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden.

 

Liebe Geschwister im Herrn,

 

was hat unser heutiger Predigttext überhaupt mit uns zu tun? Da tröstet einer das Volk Israel. Er tröstet Menschen, die nach einem verlorenen Krieg verschleppt wurden. Er gibt ihnen in einer ganz bestimmten historischen Situation in den Jahren ungefähr zwischen 550 und 540 vor Beginn unserer Zeitrechnung Trost - und auch wenn dieser Gottesdienst um vier Wochen verschoben ist: unsere Predigtordnung sagt: Ich soll Euch klar machen, warum ein Text aus der frühen Eisenzeit mehr als zweieinhalb Jahrtausende später im Atomzeitalter wichtig sein soll. Und dann soll er auch noch in die Osterzeit passen.

 

Wenn eine Mutter zu ihrem kleinen Kind sagt: Dein Knie ist bald wieder gesund, nach dem es vom Roller gefallen ist - dann ist das doch auch noch lange kein Grund, diese Worte einem Krebskranken zu sagen. Denn wir Christen beziehen - gerade beim Umgang mit dem Alten Testament - Worte der Bibel vorschnell auf uns. Etwa jenen berühmte Trauspruch "Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch." Das sagt Ruth --- zu ihrer Schwiegermutter.

 

So tun wir gut daran, erst einmal zu fragen, welches Buch der Bibel von welchem Propheten wir vor uns haben. Denn theologisches Nachdenken ist eine Frage der Redlichkeit. Und dort, wo die Frage nach dem Auferstandenen Jesus Christus im Mittelpunkt steht, verbreitert diese Frage die Basis des Glaubens und gefährdet sie nicht. Denn: Glauben heißt nicht, den Verstand an der Garderobe abzugeben. So heißt das Doppelgebot der Liebe zurecht in vielen Übersetzungen: Du sollst den Herrn lieben von ganzem Herzen und mit ganzem Willen, mit ganzem Verstand und mit aller Kraft.

 

Wir haben statt Psalm und in der Lesung zwei weitere Texte von Jesaja gehört, Texte aus dem zweiten Teil des Jesjabuchs ab Kapitel 40. Es sind Worte, die sich nicht mehr an die Juden zur Zeit des Untergangs von Samaria richten, wie Kapitel 1 bis 39, sondern an das Volk Gottes in der Zeit tiefster Verzweifelung, in der Zeit der Verschleppung nach Babylon. Der Retter Kyros hat die Babylonier bereits einmal besiegt, doch die eigentliche Befreiung steht noch bevor. In dieser Zeit redet der zweite Teil des Jesajabuchs von einem Retter: Dem Gottesknecht.

 

Wer ist dieser Knecht? Ist es der Prophet selbst? Das Volk Israel? Ist es der aufstrebende erfolgreiche Perserkönig Kyros? Ist es eine Gestalt der damaligen Gegenwart oder der Zukunft, einer, der noch kommen soll? Doch dieser Knecht wird nicht als Erfolgsmensch beschrieben. So hat auch das Judentum meist ausgeblendet, dass der Gottesknecht als ein leidender, ja als Opferlamm beschrieben wird. Und bis heute erwarten auch wir in unserer Gesellschaft das Heil von Siegertypen, nicht von Losern, von Verlierern. Doch Jesaja beschreibt einen, der auf den ersten Blick ein Loser ist. Und in unserem Predigttext fragt er nicht nach den dynamischen Gewinnern, nach denen, die Ihre Aktienpakete zur rechten Zeit verkauft haben, nach denen, die gerade den nächsten Karrieresprung vor sich haben, nach denen, die mit dynamisch strahlendem Lächeln durchs Leben gehen, nach denen, denen in der Familie alles gelingt - oder zu gelingen scheint, weil sie ihre Masken so perfekt geschnitzt haben.

 

Habt ihr bemerkt, welches die Kernworte unseres Predigttextes sind: Müde und matt - oder um es auf Deutsch zu sagen: Burnout! Wie oft kommt dieses Gefühl zu uns: Ich kann nicht mehr.

 

- Wenn sich im Beruf die Aufgaben stapeln,

- wenn im Haus und in der Familie alles ein endloser Trott ohne Erfolge zu sein scheint,

- wenn in der Kirche geistloses Tun dessen, was man schon immer getan hat, wichtiger scheint als Nachfolge Christi,

- wenn wir so oft hören: Mann oder Frau müsste - und keiner tut,

- wenn jeden Tag die selben Nachrichten kommen: Krieg, Mord, Zwietracht, Hunger, Katastrophen -

- dann wird man müde und resigniert.

 

Jesaja sprich zu Menschen, die - ich sage es ganz bewusst: anders als die meisten von uns - allen Grund zur Resignation hatten: Sie waren Jahrzehnte, Generationen als Verschleppte im Exil in Babylon. Dort sollten sie Gott und ihre Heimat, ihre Gesellschaft vergessen. Doch sie entdeckten Gott neu, auch wenn sie, wie es im Psalm 137 heißt, �an den Flüssen von Babylon saßen und weinten.' Diesen Menschen verspricht Jesaja in Gottes Namen Hilfe, ja Rettung. Er lehrt sie, den Zeichen der Zeit zu trauen, die Gott gesetzt hat. Er weist auf den Schöpfer des Universums, auf den, der Raum und Zeit gemacht hat und ihr Herr ist: Sie sollen ihm vertrauen und dort auf Rettung hoffen, wo einer ganz schwach ist - und eben aus dieser Schwäche heraus Gottes eigenes, wirksames Hoffnungszeichen ist.

 

Diese Hoffnung hatten die Juden im Vertrauen auf Jesaja auch zur Zeit Jesu - und doch erwarteten sie einen Guerilla-Kämpfer, den Führer eines Aufstandes, der mit seinen Engels-Bataillonen bei den verhassten Römern so richtig aufräumen und im gleichen Atemzug all jene blutig strafen würde, die sich nicht an die selbstgemachten Gesetze dieser Zeit hielten. So lebte Jesus unerkannt, verfolgt, auf der Seite der Müden und Matten. Er gab Ihnen in Gottes Namen Kraft und Stärke auf einem Weg, der ihn direkt ans Kreuz führte: Er, der Gottesknecht.

 

Doch gerade nach dem Kreuz zeigte Gott, dass er den längeren Atem hat, dass er die umfangreichere Macht hat, dass der Gott Grund aller Hoffnung ist, der Himmel und Erde geschaffen hat. Die Worte Jesajas erfüllten sich nach weit über 500 Jahren in der Auferstehung, die die Grundwirklichkeit unseres Lebens als Christen ist. So gibt Gott den Müden Kraft und Stärke, gerade dort, wo alles am Ende zu sein scheint: Die Müden bekommen neue Kraft, damit sie auffahren mit Flügeln wie Adler.

 

Liebe Geschwister im Herrn: Für uns, die wir den Ruf Gottes durch die Auferstehung angenommen haben oder die wir ihn suchen, spannt sich von der Ankündigung Jesajas an die Verschleppten in Babylon und deren Befreiung über Leben, Tod und Auferstehung von Jesus Christus über die ganze Geschichte der Christen bis heute ein Bogen der Hoffnung.

 

So ist es unsere aller erste Pflicht als Christen, Zeuginnen und Zeugen der Hoffnung zu sein. Denn die Menschen gerade auch unserer Zeit suchen Hoffnung: Nach dem Massaker am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt suchen dort so viele Jugendliche wie nie zuvor Trost und Halt in den Kirchen. Ganze Schulklassen besuchten die Andachten in den tagsüber geöffneten Innenstadtkirchen, berichtete beispielsweise Jugendpfarrer Jeremias Treu. Das habe er so noch nie erlebt. Seine Erklärung: Für die Jugendlichen seien die Kirchen "geschützte Räume", in denen sie ihr Entsetzen über die Ermordung von 16 Menschen ausdrücken und gemeinsam mit anderen trauern könnten. In den ersten Tagen nach dem Amoklauf hätten die kirchlichen Seelsorger den Jugendlichen vor allem zugehört. "Wir sind sparsam mit Worten umgegangen", so der Pastor. In den Gesprächen sei es weniger um die Frage gegangen "Woran glaube ich?", sondern vielmehr um die Frage "Was bedrückt mich?" Allerdings dürfe man im Entsetzen nicht stehen bleiben. Die Seelsorger sähen es als ihre Aufgabe an, gemeinsam mit den Jugendlichen "nach Quellen des Vertrauens und der Hoffnung zu suchen". Er wünsche sich, dass die Schüler die Kirchen als "Orte der Ermutigung" erlebten und etwas von den Grundlagen der christlichen Botschaft hörten.

 

Ich möchte nicht bei Erfurt stehen bleiben. Denn so tragisch dieses Ereignis ist: Keine Gesellschaft kann dafür garantieren, dass unter 80 Millionen nicht doch einmal einer völlig durchdreht und ein solches Massaker anrichtet. Deshalb können wir nur recht bedingt aus diesen Geschehnissen lernen und sollten skeptisch sein gegenüber Politkern, die auch jetzt noch Wahlkampf-Honig saugen: Sei dies, wenn sich kirchenferne Politiker ins Rampenlicht von Gottesdiensten stellen, sei es, wenn die Lobbyisten der Schützenvereine, die gerade die Verschärfung des Waffenrechts gebremst haben, blitzschnell mit dem Zeigefinger auf andere zeigen.

 

Und der Verweis auf früher, wo so etwas nicht vorkam, hinkt. Denn es gab keine Zeit, in der sich ein so großer Teil der Gesellschaft so darin einig war, Gewalt zu verurteilen. Sofern daraus keine Doppelmoral wird, können wir nur "Gott sei Dank" hinzufügen. So zeigt die Bluttat von Erfurt auf eine verhängnisvolle Paradoxie unserer Gesellschaft, die der Politologie-Professor Herfried Münkler so skizziert: "Je stärker Gewalt im öffentlichen Leben geächtet wird, umso höher ist der Gewinn an Aufmerksamkeit für die, die sie ausüben - ein Dilemma, dem keine Politik entrinnen kann." Denn gerade so werden Menschen wie der Attentäter von Erfurt zu ihrem Tun gereizt. Und auch Robert S. hat sich viele Informationen über den Amoklauf in Littletown in den USA geholt. Diese Tat mit ihrer Öffentlichkeits-Wirkung war für ihn Vorbild.

 

Doch wollen wir statt dessen zurück zu vergangenen Gesellschaften? Wollen wir wieder Zeiten, in denen junge Menschen darauf dressiert wurden, dass es normal ist, wenn sich Menschen oder Völker gegenseitig abschlachten, damit der Stärkere gewinnt? Wenn ich die Klagen über Gewalt in den Medien höre, dann fällt mir ein Buch ein, dass mir vor einigen Tagen in Finger fiel: �Deutsche Heldensagen' - Ein einziges Schlachten und Morden, vielfach alles, nur nicht ritterlich, sondern geprägt von Neid, Bösartigkeit und Rachsucht. Mein Vater bekam - einer Widmung zufolge - dieses Buch als Weihnachtsgeschenk im Alter von neun Jahren. So bleibt nur die nüchterne Feststellung: Das Böse ist eine reale Macht, die sich im Kleinen wir im Großen nicht einfach wegsozialisieren lässt - was trotzdem kein Grund ist, sich nicht darum zu bemühen.

 

Und doch bedrückt mich eine Frage: was wäre gewesen, wenn ein solcher junger Mensch wie der Attentäter von Erfurt rechtzeitig und glaubwürdig die Botschaft gehört hätte, dass Gott gerade den Müden und Matten Kraft und Stärke gibt? Diese Frage stellt sich nicht nur für Robert S., nicht nur in Erfurt. Sie stellt sich an jeden Christen und damit gerade auch an Euch und Eure Gemeinde:

- Aus welcher Hoffnung leben wir?

- Welche Hoffnung geben wir weiter?

- Laden wir zur Hoffnung ein?

 

Oder vergraben wir sie in unseren Herzen, in Vertrauen darauf, dass ein möglichst von der Kirchensteuer bezahlter geistlicher Vorturner an Stelle jedes Einzelnen von uns das schlechte Gewissen beruhigt - damit wir uns gemütlich in unserem Hauskreis, in unseren Teams und Gruppen unter möglichst Gleichgesinnten zusammenkuscheln können.

 

Wir haben allen Anlass zur Hoffnung: Das sagt uns unser heutiger Predigttext - und wir haben den Auftrag, diese Hoffnung weiterzugeben, auch wenn wir gerade selber müde und matt sind - jede einzelne, jeder einzelne von uns, auch wenn wir in Beruf und Familie leben: Wer sich von Jesus Christus gerufen weiß, der kann nicht anders und er darf nicht anders: Gegenüber allen Menschen, aber insbesondere gegenüber der jungen Generation: Für den Weg zum Glauben ist die Altersspanne zwischen 12 und 17 besonders entscheidend. Gerade für sie gilt, was Bundespräsident Johannes Rau auf der Erfurter Trauerfeier gesagt hat: "Wir dürfen unseren Kindern nicht vorgaukeln, dass die Welt heil ist. Aber wir sollten in ihnen die Zuversicht wecken, dass die Welt nicht unheilbar ist." Ich füge hinzu: Und dieses Heil ist der leidende Gottesknecht, ist Jesus Christus.

 

Um diese Hoffnung zu geben, müssen wir nicht ständig mit einem Gesicht wie aus der �Bunte' dastehen: Immer fröhlich geschminkt mit strahlendem Lächeln. Ich durfte vor einigen Wochen auch wieder die Erfahrung machen, dass uns Gott gerade auch in Zeiten der Mattheit trägt. Wenige Tage nach der Hannover Messe, bei der ich den ganzen Tag mit Journalisten und Kunden im Gespräch war, war ein Seminar unseres CVJM angesetzt, das ich halten sollte. Direkt vor der Messe platzte mir auch noch das Handelsblatt herein, ich sollte - natürlich neben dem Alltagsgeschäft - drei umfangreiche Artikel anlässlich von 50 Jahren Baden-Württemberg schreiben. Die Wochen vor dem Seminar war ich nur noch auf Achse. Abends habe ich mir dann irgendwie eine Powerpoint-Präsentation aus den Rippen geschnitten. Bei unserem Seminar habe ich gleich zu Anfang gesagt, dass ich gerade auf dem Zahnfleisch gehe und erst gar nicht den fitten Dynamiker gespielt - und Gott gab das seine reichlich, so dass das Seminar wohl doch recht viel bewegt hat. Ich war das nicht. So möchte ich Euch ermutigen, auch darauf zu vertrauen, dass Euch Gott viel mehr Kraft geben möchte und gibt, als Ihr ahnt, wenn ihr müde und matt seid. Wenn aber die Hoffnung das ist, was die Menschen bei uns Christen suchen und was wir ihnen in Gottes Namen zu bieten haben, dann gibt uns Gott gerade auch Kraft, wenn wir zu schwach sind, seine Hoffnung selber weiterzugeben.

 

Ihr steht jetzt miteinander am Wendepunkt: In den nächsten Monaten und Jahren wird sich zeigen, ob ihr einem Vorturner namens Oberman nachgehüpft seid oder ob er, so wie er sich selbst trotz aller Ecken und Kanten immer gesehen hat, einer unter vielen Wegweisern zu Gott war: Eben ein sehr bemerkenswerter Pfarrer mit großen Stärken aber - wie jeder unter uns auch - mit Schwächen. Es wird sich zeigen, ob ihr aus der Hoffnung Christi lebt und sie weitergebt oder ob ihr nur für Euch ein wenig Wohlfühl-Lobpreis sozusagen als Himbeersauce über den Alltag kippen wolltet.

 

Die Vakanz ist deshalb eine riesige Chance für die Auferstehungs-Hoffnung Gottes, sich in Bernhausen ihren Weg zu bahnen: Denn jetzt wird es deutlich: Jede einzelne, jeder einzelne von Euch ist gefragt, ein Bote dieser Hoffnung zu sein. Oder wollt mit euerem Leben all denen Recht geben, die unterstellen: Wenn der Vorturner weg ist, dann läuft hier nichts mehr, weil die Leute in der Petruskirche nur einen Vorturner gesucht und nicht Jesus Christus als Herrn ihres Lebens erkannt haben?

 

Ihr Lieben, wir leben am anderen Ende des Hoffnungsbogens, den Jesaja gespannt hat: Wir leben gerade auch nach Erfurt aus der sicheren Hoffnung, dass Jesus in der Auferstehung jedem, wirklich jedem Mensch eine Zukunft geben will. Eine Zukunft in dieser und der kommenden Welt. Eine Hoffnung in den Augenblicken, in denen uns Leben, Beruf, Familie, Kirchengemeinden und was auch immer über den Kopf zu wachsen scheinen - und eine Hoffnung zum Weitergeben! Denn: die auf den Herrn harren, bekommen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

 

So ist eine Zeit ohne Pfarrer eine Zeit um diese Kraftquelle bei Gott zu entdecken und so Gemeinde der Zukunft zu werden: Denn - wie lange es sich die evangelische Konfession noch leisten kann, für jede kleine Gemeinde einen Pfarrer zu bezahlen, das ist die Frage. Eines aber ist sicher: Die Weitergabe der Hoffnung kann ich nicht an andere delegieren. Denn wo ich nicht selber Hoffnung weitergebe, zeige ich, dass ich selber keine Hoffnung habe. Keine Hoffnung, die auch dann trägt, wenn in Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet die Rede ist von Israel und Palästina, von New York und Afghanistan, von Erste Mai Krawallen und wachsender Kriminalität, von Schröder, Stoiber, Westerwelle und Trittin.

 

Ihr Lieben: Lasst Euch von der Auferstehungshoffnung anstecken und gebt diese Hoffnung weiter. Wo diese Hoffnung Grundlage der Mitarbeit ist, da ist ein Pfarrer das, was Gerrit immer einen Luxus genannt hat. Eine äußerst wertvolle Bereicherung des Gemeindelebens, aber niemand, mit dem alles steht und fällt. Doch wen die Hoffnung der Auferstehung trägt, der kann nicht schweigen - ob er von seiner Konfession bezahlt wird oder nicht: Er wird Zeugnis der Hoffnung geben - jede und jeder an seinem Ort: Aber alle miteinander so, dass auch eine Gemeinde ohne Pfarrer Menschen zum Glauben einlädt.

 

Jeder einzelne, jede einzelne von uns darf dabei die Erfahrung machen, dass Hoffnung nicht nur ein Wort ist, sondern dass Gott ihm immer Kraft gibt für Ungeahntes, auch wenn wir das Gefühl haben, ausgebrannt, zu sein.

 

Diese Kraft ist keine Schminke, die uns immer strahlend aus der Wäsche schauen lässt. Diese Kraft gibt uns aber aus der Auferstehung ein Grundvertrauen in unserem Leben. Denn wir haben eine Zukunft mit Gott. Und wir haben eine Zukunft bei Gott.

 

AMEN


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