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Das Böse beim Namen nennen - was heißt Nachfolge in Zeiten des Krieges

Predigt über Joh. 12,20-26 anlässlich des Irakkrieges am 23. und 30.3.2003 in Ergenzingen, Eckenweiler und Derendingen

Seid nüchtern und wacht. Denn Euer Widersacher der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht wen er verschlinge. Dem widersteht fest im Glauben. Du aber Herr, erbarme Dich unser. AMEN

 

Joh. 12,20-26

Die Ankündigung der Verherrlichung

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen's Jesus weiter. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, daß der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

 

Kanzelgebet

Hier stehe ich,

ich kann nicht anders.

Gott helfe mir.

AMEN

 

Liebe Gäste, liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus.

 

Was heißt es, das Leben loszulassen und Jesus nachzufolgen? Was heißt es, in diesen Tagen verantwortlich zu leben, ohne sein eigenes Leben in Mittelpunkt zu stellen? Dietrich Bonhoeffer schreibt in Widerstand und Ergebung: 'Die letzte verantwortliche Frage ist nicht, wie ich mich heroisch aus der Affäre ziehe, sondern wie eine kommende Generation weiterleben soll.' Und diese Frage stellt sich nicht nur mit Blick auf Derendingen oder Deutschland. Diese Frage stellt sich für die ganze Erde, die Gott geschaffen hat und die er liebt.

 

Diese Frage beinhaltet es, Böses beim Namen zu nennen um es zu meiden. Wir könnten unter dieser Vorgabe nachdenken über Abtreibung, Todesstrafe, Ausländerfeindlichkeit oder die Missachtung von Familien und Kindern in unserer Gesellschaft. Und wenn wir nach dem Frieden suchen, dann böten sich auch Tschetschenien, der Südsudan, Israel und Palästina an. Doch der Krieg, den die USA, Großbritannien und Spanien am 20.3.2003 begonnen haben, setzt eine Grundlage für das Mit- oder besser gesagt Gegeneinander der Völker in diesem Jahrhundert. Wir sind durch die den Atlantik übergreifende politische Gemeinschaft zumindest indirekt eingebunden und die einzige verbliebene Weltmacht zeigt uns, auf welche Weise sie diesen Globus gestalten will.

 

So haben dann auch die Christen fast aller Konfessionen nahezu weltweit in einer Einmütigkeit und Klarheit reagiert, die ich noch nicht erlebt habe:

 

Unser Landesbischof Dr. Gerhard Maier schreibt gemeinsam mit den anderen Bischöfen der evangelischen und der katholischen Kirchen in Baden-Württemberg: 'Als Kirchen erheben wir erneut Einspruch und Protest dagegen, dass mit religiöser Sprache und einem entsprechenden ‚Sendungsbewusstsein' kriegerische Handlungen legitimiert werden sollen. Die Folgen dieser Eskalation für den ohnehin nicht immer einfachen Dialog zwischen christlich und islamisch geprägten Völkern und Kulturen sind heute noch gar nicht abzusehen. Es ist uns in dieser Situation wichtig, im Irak zwischen einem verbrecherischem Regime und dem Volk zu unterscheiden.' Persönlich fügt Bischof Maier hinzu: 'Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder, bis zuletzt hatten wir gehofft, dass im Irak kein Krieg stattfinden würde. Wir hatten darum gerungen und dafür gebetet, dass der Krieg vermieden werden könnte. Nun ist es zu unserer tiefen Erschütterung doch so weit gekommen!' Das heißt, so unser Bischof, allerdings nicht, die USA als neues Feindbild aufzubauen.

 

Doch am 20. März hat das Terrornetz El-Kaida einen leichten Sieg errungen: Sie haben in Folge des 11. September 2001 erreicht, dass die US-Regierung und ihre Mitläufer in einer Weise handeln, zu der Christen nur noch Nein sagen können. Dies ist besonders bitter, da dieses Nein die Taten eines Politikers betreffen muss, der sein Christsein äußerst öffentlichkeitswirksam darstellt. Es geht nicht darum, Bush mit Saddam Hussein zu vergleichen. Es geht nicht darum, zwischen den USA und dem Irak direkte Parallelen zu ziehen. Das zeigt auch das gestrige Selbstmordattentat. Aber ein US-Präsident, der sich mit seinem Christsein soweit aus dem Fenster lehnt und sich für die Verkörperung des Guten hält, muss sich ebenso mit sehr strengen Maßstäben messen lassen, wie die USA, die unter ihrer derzeitigen Regierung der ganzen Erde das bringen, ja aufzwingen wolle, was sie unter Freiheit verstehen.

 

Doch auch wir hier in Deutschland müssen vor der eigenen Tür kehren: Wir konnten unsere Stimme in der Welt nicht glaubwürdig für den Frieden stark machen: Die Regierung verheizte dieses gute Wort im Wahlkampf und die Opposition verwechselt Freundschaft und Vasallentum.

 

Weder in den USA noch im politischen Alltag Deutschlands könnte der Kontrast zu dem Menschensohn kaum größer sein, der als ein Schwacher in die Welt kam, nicht mit himmlischen Heerschaaren; der am Kreuz verherrlicht wird, von dem unser Predigttext redet:

 

Und was können wir tun? Christus ruft uns auf, nicht auszusteigen, nicht in Träumereien abzutauchen, sondern ihm nachzufolgen, dem Bösen realistisch ins Auge zu schauen, in dem wir mit ihm in die Welt hineingehen, mit ihm glauben, mit ihm handeln und Stellung beziehen. Das heißt Nachfolge. Das zentrale evangelische Bekenntnis des 20. Jahrhunderts ist die Barmer Theologische Erklärung, die auch in unserer Landeskirche verbindlich ist und im Gesangbuch steht. In der II. These heißt die Zusammenfassung: 'Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn bedürften.' Darum können wir uns nicht heraushalten. Dies tat auch Jesus selber nicht: Er wurde gekreuzigt, weil er sich mit den Mächtigen des Staates anlegte, weil er die Dinge beim Namen nannte, ohne in blinden Aktionismus auszuarten. Nein: Der Menschensohn, der Richter dieser Welt, ist keine Schmusedecke, unter der wir den Kopf in den Sand stecken können, wenn Mord und Totschlag über die Welt schwappen.

 

Mord und Totschlag: Das ist erst einmal das Geschäft Saddam Husseins. Was Nachfolge unter diesem Gewaltherrscher heißt, das erleben gerade auch die Christen, die im Irak leben. Sie leben die Nachfolge im Sinn unseres Predigtextes, die bis in den Tod führt. Mit tiefer Bewegung habe ich vor einigen Tagen auf der idea-Homepage einen Bericht über sie gelesen. Drei Aussagen von ihnen möchte ich hier knapp zusammenfassen: Um Gottes und der Menschen Willen kein Angriff auf den Irak, denn die Opfer sind zum überwiegenden Teil die Falschen, wie gerade gestern die Explosion auf dem Marktplatz gezeigt hat. Der Christ Edward Isho kann deshalb auch nicht verstehen, wie der US-Präsident behaupten kann, er habe gebetet bevor er diesen Krieg angefangen hat. 'Hat uns das Christus gelehrt', fragt Isho, der als Partner der Diakonie Katastrophenhilfe Hilfsgüter verteilt. Zugleich hoffen die Christen im Irak auf ein Ende dieses Schreckensregimes des Bösen, für das Saddam Hussein steht. Und schließlich warnen sie vor dem naivem Optimismus, es könne so einfach hinterher besser werden: Trotz der sichtbaren Bosheit des irakischen Regimes geht es den Christen in den meisten Nachbarländern noch schlechter - einschließlich der mit dem Westen verbündeten Staaten.

 

Wir haben allen Grund, alle drei Punkte Ernst zu nehmen. Doch wie können wir selber Stellung beziehen? Eines ist vor dem Hintergrund der Botschaft Jesu sicher: Krieg ist nie etwas Gutes - und trotzdem, da ist die Bibel ein äußerst realistisches Buch: Er ist Wirklichkeit, weil die Menschen nicht nach Gottes Maßstäben leben. Doch Jesus will die Spirale der Gewalt durchbrechen: Wir, wir sollen in der Nachfolge die andere Backe hinhalten. Wer selbst die Backe hinhält, vielleicht sogar bis zum Tod, wie etwa Martin Luther King es tat, der ist ein Vorbild. Auch wenn die Zeichen in dieser Welt auf Sturm und Gericht stehen, haben wir den Auftrag Gutes zu tun und aus der Hoffnung der Gemeinschaft mit Jesus Christus zu leben. Und wir beten für die Mitarbeiter humanitärer christlicher Einrichtungen, die trotz allem ihre Arbeit im Geist der Nachfolge und der Liebe Christi fortführen, auch wenn beispielsweise der Sitz des katholischen Metropoliten in Bagdad von Bomben getroffen wurde. Wer dagegen einem anderen sagt, er möge seine Backe hinhalten, damit man sich selber auf die Schulter klopfen kann, wie friedlich man doch sei - der ist ein Zyniker. Es reicht nicht, wie auf der Friedenskundgebung am Samstag vor einer Woche, wenn ein Erwachsener ein Schild hoch hält: 'Krieg ist doof'. Denn er ist Ausdruck des Bösen in der Welt, er ist keine Nachfolge Christi - und doch manchmal unausweichlich. Beim letzten Golfkrieg, beim Krieg im Kosovo und in Afghanistan war kein einfaches Nein möglich.

 

Was heißt es da, Christus nachzufolgen? Er gibt uns einen Maßstab durch sein Vorbild: In die Erde fallen, sterben, Frucht bringen und so leben. Zurecht verweist der evangelische Theologe Prof. Meier in idea darauf, dass zwei Haltungen aufgrund der biblischen Aussagen unter Christen auf jeden Fall ausgeschlossen sein müssen: einerseits das fatalistische Hinnehmen des Krieges als eines apokalyptischen Verhängnisses und andererseits die Glorifizierung des Krieges als eines Befreiungsvorganges zur Heranführung eines Weltfriedensreiches. Vertreter beider Positionen missdeuten biblische Texte, indem sie Gottes unabhängiges Handeln in der Heilsgeschichte und schuldhaftes menschliches Tun gleichsetzen. Anders die Nachfolge: Sie heißt mit Paulus die Absage an das Böse, dem Bösen widerstehen, das Gute glauben und tun. Dazu ist es notwendig, das Böse zu entdecken, beim Namen zu nennen und bloß zu stellen. Und dies kann nicht einfach aus dem Bauch heraus geschehen, Christen brauchen Argumente für ihr Urteil und das muss ich Euch zumuten:

 

1. Dieser Krieg hat weder in der UN, noch im Sicherheitsrat, noch unter dessen ständigen Mitgliedern als völkerrechtlicher Autorität auch nur eine einfache Mehrheit. Und der Verweis auf einen Verteidigungskrieg wegen des Anschlags am 11. Septembers 2001 grenzt ans Lächerliche: Das ‚Überzeugendste', was die Geheimdienste für diese These bieten konnten, war 12 Jahre altes, inhaltsarmes Material, das aus dem Internet abgeschrieben wurde. Bleiben wir kritisch: Gäbe es Beweise, müssten sie vorliegen. Und unbelegte Behauptungen von kriegsführenden Parteien verdienen keinerlei Vertrauen.

 

2. Dieser Krieg ist von der blinden Gier nach Rache geprägt, wenn Bush etwa letzten Donnerstag sagte: «Der Tag der Abrechnung mit dem Regime ist nah.» Dieser Krieg hat Rache obendrein in ihrer blindesten und primitivsten Form als Grundlage: Rache, die sich noch nicht einmal gegen einen Verursacher der zu rächenden Tat richtet. Rache, die nur irgend einen Kopf rollen sehen und sich abreagieren will, auch wenn dies der Kopf eines schlimmen Despoten ist, der vor nichts zurückschreckt

 

3. Der Krieg, der jetzt mit einem geschätzten Aufwand von mindestens 100 bis 200 Milliarden Dollar geführt wird, steht in keinem Verhältnis zu einem Land, dass bis Kriegsbeginn nach Einschätzung praktisch aller unabhängigen Nahost-Kenner weder fähig noch willens war, selber einen Krieg zu beginnen und zu führen. Dies gilt auch für den durchaus wahrscheinlichen Fall, dass der Irak zur Zeit noch Massenvernichtungswaffen besitzt, was ja beispielsweise auch für den Iran, Indien, Pakistan und Israel gilt, von den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates ganz zu schweigen.

 

4. Und wer nach den Folgen gerade auch für künftige Generationen fragt, kann nur einen entsetzlichen Scherbenhaufen zur Kenntnis nehmen: Das Faustrecht des Stärkeren hat sich wieder als das oberste Prinzip der internationalen Politik durchgestzt. Unabhängig vom Verlauf des Kriegs, der nach Meinung vieler Militärexperten obendrein dilettantisch und naiv begonnen wurde, provoziert die US-Regierung einen globalen Wettlauf um Massenvernichtungswaffen. Von Marokko bis Indonesien stärkt der Krieg nicht die Demokraten, sondern die radikalen Islamisten. Und die werden sich gegen künftige Angriffe zu schützen wissen. Was wird denn beispielsweise der Iran jetzt anderes machen, als in allergrößter Panik zu versuchen, Atombomben als Abschreckung zu bauen? Vor dieser Destabilisierung der gesamten Weltordnung warnten und warnen gerade auch sehr konservative Fachleute, darunter auch bekennende Nicht-Pazifisten. Schließlich hat die amerikanische Regierung die westliche Wertgemeinschaft zerstört, in dem sie unter diesen Voraussetzungen bedingungslosen Vasallen-Gehorsam einforderte.

 

So bleibt das Fazit: Wenn Saddam Hussein gestürzt wird, dann ist das mehr als erfreulich. Doch der Schaden, der bei diesem Krieg im Irak wie in der politischen Weltordnung entsteht, ist weitaus größer, als der Nutzen den die Erde, den der Nahe Osten oder den selbst Amerika von diesem Krieg haben werden. Und wenn wir uns dann vor Augen halten, wie viele Menschen sterben, verletzt werden und ihre Zukunft verlieren, dann ist dieser Krieg ein typisches Beispiel, wie das Böse - in diesem Fall der Anschlag auf das World-Trade-Center - neues Böses im Übermaß wachsen lassen kann, das wiederum den Hass potenziert.

 

Wer im Nachhinein die Äußerungen vor und nacht dem 11.9.01 verfolgt, der sieht das Entstehen einer Kreuzzugsmentalität, bei der sich der US-Präsident selbst für eine Lichtgestalt und die Verkörperung des Guten hält. Allein dies steht schon im Grundgegensatz zu unserem christlichen Glauben: Denn gerade als Christen wissen wir um unsere Schwäche und Fehlbarkeit. So wird der Name des Menschensohns Jesus Christus mit Blut besudelt, weil Menschen meinen, sich selbst zum Welten-Richter aufschwingen zu müssen. Der Präsident muss sich deshalb fragen lassen, ob er nicht das, was er für nationales Interesse hält, zum Götzen macht. Einen Götzen, dem sich Christus als eine Art nützliches Maskottchen unterwerfen soll. Trotzdem sollten wir diesen Menschen und seine Mittäter als solche nicht verurteilen, sondern nur ihr Handeln in aller Deutlichkeit in Frage stellen, wie schon Augustinus vor mehr als 1500 Jahren sagte: 'Liebe den Sünder, hasse die Sünde.' Und ich möchte hinzufügen: Und nenne sie beim Namen.

 

Es geht auch nicht darum, die gesamten USA für einen irregeleiteten Präsidenten in Haftung zu nehmen. Denn es gibt die Hoffnung, dass sich die Bürger der USA die Politik der derzeitigen Regierung nicht auf Dauer gefallen lassen. Gerade viele unserer Schwestern und Brüder im Glauben lehnen den Krieg in bewusster Nachfolge Jesu Christi in aller Deutlichkeit ab. Auch sie sehen, wie das Verhalten ihrer derzeitigen Regierung die gesamte politische Weltordnung in höchstem Maß destabilisiert. Denn Weltordnung kann nicht darauf beruhen, dass ein Land der ganzen Erde vorschreibt, was zu tun ist. Mit diesen Christen müssen auch wir darum beten, dass die USA und ihre willigen Verbündeten wieder den Weg zurück in die Völkergemeinschaft finden. Auch, damit wir nicht länger zu politischen Allianzen mit recht fragwürdigen Regierungen gezwungen sind, wie etwa Russland oder China. Doch diese beiden Staaten beschädigen die Weltordnung derzeit nicht in dem Maß, wie dies die Regierung der USA tut.

 

Wir müssen beten für alle us-amerikanischen, englischen, spanischen und andern Christen, die in der Nachfolge Christi Nein sagen. Hier möchte ich ausdrücklich Sharon A. Brown Christopher, die vorsitzende Bischöfin der Methodistischen Kirche der USA einbeziehen, die bereits Anfang Februar ihr Kirchenmitglied Bush in einem offenen Brief zum Frieden aufgefordert hat.

 

Es bleibt sicher beim einen oder anderen jetzt die Frage: 'Darf und kann Kirche von der Kanzel so deutlich und direkt werden?' Gewiss nicht jeden Sonntag, Gott sei Dank nicht! Doch wie viel Unheil hätte in der Weltgeschichte vermieden werden können, wenn Christen das Böse rechtzeitig beim Namen genannt hätten. Auch das ist die Frage einer Nachfolge, die bis ans Kreuz führen kann. Deshalb muss ich so reden, deshalb auch die klare Antwort, warum dieser Krieg nicht verantwortbar und deshalb böse ist.

 

Doch wie können wir über solche Feststellungen hinaus mit Jesus gehen, ihm nachfolgen? Was können wir tun? Zuerst einmal Beten, Beten und nochmals Beten. Dann Meinung bilden, gerade auch in der Politik oder wenn wir mit anderen Christen im Ausland befreundet sind. Und schließlich: Als Beispiel leben. Der Satz ist schon so oft gefallen, dass er einem regelrecht auf die Nerven geht. Doch nur wenn wir bewusst um ein Leben nach den Maßstäben der Bibel - einschließlich der Bergpredigt - in all unserer Schwachheit ringen, können wir ein kleiner Baustein für eine friedlichere Welt sein. Und das kann heißen, dass das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt.

 

Die im Irak zurückgebliebenen Schwestern und Brüder leben dieses Wort vom Weizenkorn und bringen Frucht. Sie leben in aller Verfolgung ihren Glauben aus Gott, der diese Welt liebt und nicht aufgibt, der uns in der Auferstehung aber zugleich die kommende Welt öffnet. Sie können uns im Glauben anstecken. Von Ihnen können auch wir die Bereitschaft lernen, uns selbst aufzugeben, unsere Interessen hinten an zu stellen. Wir dürfen uns von Jesus in die Welt hineinführen lassen. Wir dürfen uns selbst loslassen und dadurch Freiheit finden für ein neues Leben, das über das Elend der Verantwortungslosigkeit und Gottesferne der Menschen hinausreicht. Ein Leben, das auch über den Tod hinausreicht, dessen Kreise in diesen Tagen so grauenhaft sichtbar sind. Denn für unsere Welt gilt der Zuruf: Der Jesus, der als Weizenkorn in die Erde fiel und am Kreuz gestorben ist: Er ist auferstanden und hat den Tod überwunden. Und in seiner Nachfolge dürfen wir denselben Weg gehen. Wer aber so befreit ist, der kann mit Jesus auch an schwere Orte gehen. Der kennt einen sicheren Schutz, wenn die Mühlsteine des Bösen von links und rechts näher rücken. Das gibt Freiheit. Wir können aus dieser Freiheit verantwortungsbewusst leben und wirksame Zeichen der Hoffnung und des Wandels setzen, wo keiner sie für möglich hält.

 

Deshalb gibt es auch in dieser schweren Zeit Hoffnung, eine Hoffnung: Sie heißt Jesus Christus. Öffnet Eure Herzen, damit er Mittelpunkt Eures Lebens wird und bleibt.

 

AMEN

 


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