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Wer ist es, der da kommt - Johannes, der Vorläufer:

Team-Predigt über Joh 1,29-34 am 7.1.2001 in Bernhausen

Predigtgruß (J. Beyer):

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! AMEN

 

Vorbericht (B. Beyer)

 

Er trug ein Leinenhemd, Jeans und darüber einen alten Ledermantel aus den zwanziger Jahren. Er fuhr kein Auto, benutzte kein Telefon, besaß keinen Fernsehapparat und schlief dort, wo er gerade ein Bett fand. Er aß rohe Kartoffeln, Gemüse, ab und zu ein Ei, und trank meistens Wasser oder Milch. Er ging keiner geregelten Arbeit nach und hieß Johannes. Man sagte von ihm, dass er eine Zeitlang in einem Kloster gelebt habe.

Er zog durch Dörfer und Städte und sprach auf Marktplätzen, wenn ein Brunnen in der Nähe war, oder auf den Wiesen vor der Stadt. Und dort rief er den Leuten zu: "Macht Schluss mit eurem verkehrten Leben! Denkt nicht nur an euch selbst, sondern auch an die anderen und an Gott! Bedeutende Dinge kommen auf uns zu: Umwälzungen, Katastrophen, Veränderungen! Da kann man nicht so gedankenlos weiterleben. Bald kommt ein Mann, der alles verändern wird. Ich bin nur eine Art Vorprogramm. Der Mann, den ich euch an kündige, ist so bedeutend, dass ich es nicht einmal wagen würde, ihm die Schuhe zu putzen oder ihm meinen Regenschirm anzubieten!"

Anfangs wurde Johannes ausgelacht, man dachte, er sei verrückt. Und weil er immer einen Eimer Wasser bei sich hatte und die Leute damit taufte, wurde er "der Täufer" genannt.

Die Sache sprach sich schnell herum. Es gab Zeitungsartikel. Auch in der Tagesschau, in Heute und in den anderen Nachrichtensendungen konnte man ihn sehen und hören.

Immer mehr Leute strömten zusammen, wenn er irgendwo auftauchte, mal in München, in Hamburg, mal in Berlin, Rostock und Dresden oder auch in kleineren Ortschaften wie Gotha, Mölln, Ravensburg oder Northeim. Und diejenigen, die ihm glaubten, die übergoss er mit einem Eimer Wasser und rief ihnen zu: "Heute wird euer altes Leben weggespült."

Und dann sagte er noch: "Ich übergieße euch mit Wasser, aber der Mann, der nach mir kommt, wird euch mit heiligem Geist überschütten."

Johannes erklärte seinen Zuhörern: "Was ich hier mache, entspricht einer alten jüdischen Prophezeiung. Dort heißt es nämlich: Ich sende meinen Boten, der den Weg vorbereiten soll. In der Wüste ruft eine Stimme: Stellt euch darauf ein, dass der Herr zu euch kommt, und räumt alle Hindernisse aus dem Weg!"

(Albrecht Gralle -> Jesus starb in Berlin)

 

Predigttext (J. Beyer):Joh 1,29-34, ein Text, der theologisch äußerst dicht ist

 

Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!

Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich. Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser.

Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, daß der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm.

Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft.

Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.

 

 

Kanzelgebet (J. Beyer)

 

Herr,

Dein Wort

macht das unmögliche möglich.

Darauf vertrauen wir.

So segne Dein Wort an uns,

auch wenn es nur

durch die Stimme

schwacher Menschen

weitergeben wird.

AMEN

 

Predigt

B. Beyer: Wenn wir an Mahatma Ghandi denken, fällt uns ein abgemergelter Mann ein, der mit Gewaltlosigkeit für die Freiheit kämpft. Wenn wir an Martin Luther King denken, fällt uns ein farbiger Mann ein, der sein eigenes Leben riskierte, in dem für die Gleichberechtigung von Schwarz und Weiß kämpfte. Und wenn wir an Jesus denken? Fällt uns da nicht gerade in dieser Jahreszeit ein holder Knabe mit lockigem Haar ein? Eine Kitschfigur, aus der einmal so eine Art frommer Hippie wird? Ein ewig ausgeglichener Strahlemann? Eine Art Disneyland-Produkt für den inneren Frieden, der uns zur rechten Zeit eine Streicheleinheit zugute kommen lässt und uns bestätigt: Wir sind doch arm dran und was wir tun ist schon in Ordnung? Johannes hat da ein ganz anderes Bild und bringt es in kurzen Worten zur Sprache: Lamm Gottes, Geistträger, Geisttäufer, Sohn Gottes, der vor ihm war und nach ihm ist.

J. Beyer: Wer ist es, der da kommt? Johannes wirft einen Satz in den Raum, der uns den Atem stocken lässt. "Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich." - und das, obwohl Jesus nach Johannes geboren ist. Johannes stößt uns hinaus aus der lieblichen Kaufhaus-Krippe mit dem lockigen Baby - mitten hinein in Geheimnisse Gottes, die den Rahmen des Universums sprengen und manches Spekulieren zur Philosophelei und zur Theologelei abwerten: Jesus Christus heißt: Gott handelt in einer Weise, welche die Raumzeit und damit die grundlegenden Maßstäbe unseres Universums sprengt.

Denn dass für Gott der Ort seines Handelns frei wählbar ist, dass ist im christlichen Glauben schon lange etwas feststehendes. Doch Johannes stößt uns darauf, dass Christus schon vor der Welt oder mit Blick auf das moderne Verständnis seit Einsteins Relativitäts-Theorie außerhalb der Raumzeit existiert.

Wenn ich hier auf Erkenntnisse der Kosmos-Forschung verweise, dann tue ich das nur, um von der Größe Gottes Zeugnis zu geben, der in Jesus zu uns gekommen ist. Damit ist aber alles, was Gottes Handeln zeitlich ordnet oder fragt, was zuerst war, Vater, Sohn oder Heiliger Geist, erledigt. Existenz außerhalb von Zeit und Raum - das scheint absurd. Und doch behauptet auch die moderne Naturwissenschaft dies: Der Beginn unseres Universums ist für sie zugleich der Beginn von Raum und Zeit. Über das, was davor oder außerhalb liegt, gibt es unter den etablierten Denkmodellen, nur solche, die letztlich alle mit einer sogenannten "Singularität" beginnen. Das ist ein Zustand, in dem alle Beschreibungsmodelle versagen. Und es ist nur eine geringe Vereinfachung, wenn ich dies mit dem theologischen Begriff der Transzendenz oder dem umgangssprachlichen Jenseits vergleiche, auch wenn dies natürlich sehr unterschiedliche Bereiche auf eine Ebene stellt. Und ein führender Wissenschaftler der modernen Kosmos-Forschung, Steven Hawking, zitiert - obwohl er selbst Atheist ist - ausgerechnet den Kirchenvater Augustin als jemanden, der vor etwa 1600 Jahren als Theologe eine ähnliche Einsicht hatte: "Die Zeit ist eine Eigenschaft des von Gott geschaffenen Universums und hat vor dessen Beginn nicht existiert." Uns bleibt bei alledem erst einmal das grenzenlose Staunen vor dem, was im Christfest geschehen ist. Es ist gerade auch vor dem Hintergrund der modernen Naturwissenschaft ein wahrhaft universales Ereignis, das alles umfasst - und es beginnt in einem Steintrog, in einem stinkenden und zugigen Stall und führt zu diesem Sonderling Johannes, der diesem Handeln Gottes den Weg bereitet.

B. Beyer: Johannes: Wer war dieser Mensch, der sich als Vorläufer, als Wegbereiter bezeichnet? Von seinen Eltern nicht mehr erwartet, aber von Gott gewollt. Sein Vater glaubte dem Engel nicht und deshalb verschlug es ihm erst einmal die Sprache, als er davon erfuhr, dass seine alte Frau schwanger war. Eigentlich kann ich ihn gut verstehen, denn es schien ja auch unmöglich. Aber auch hier zeigt uns Gott, dass für ihn nichts unmöglich ist. Elisabeth, die Mutter des Johannes und Maria, die Mutter Jesu begreifen dieses Geheimnis Gottes bei ihrer Begegnung und loben Gott. Und bei seiner Geburt steht die bange Frage: Was wird wohl aus diesem Kindlein werden?

Aus diesem Kindlein wird ein Mann Gottes. Er folgt dem Ruf Gottes und weiß ganz genau, dass er nur eine Nebenrolle spielt - und doch einen Auftrag von einer Wichtigkeit wahrnimmt, wie die wenigsten Menschen. Er nimmt sich nicht so wichtig, auch wenn die Menschen ihn zu mehr machen wollen, als er ist: Zum Messias. "Bist Du es, der da kommt?" so fragen sie.

So macht sich Johannes zum belächelten Außenseiter, zum bewunderten Aussteiger und zahlt mit seinem Leben. Er nimmt sich zurück, damit die Menschen auf den sehen, der wichtig ist.

J. Beyer: So bleibt er Johannes, der Vorläufer, wie die orthodoxe Tradition ihn nennt. Damit geht er den Weg eines wahren Propheten. Und er erkennt seine Grenzen: "Ich kannte ihn nicht", so bekennt er zwei Mal - und wer, wenn nicht Johannes, könnte ihn kennen? Und doch: Nur weil Gott Erkenntnis schenkt, kann er erkennen. Für uns Gottes-Sucher, für uns, die wir mit Gott leben und doch so oft vor der Wand fehlender Erkenntnis stehen, mag dies erst einmal schockieren. Doch wenn wir in die Fußstapfen der Gotteserkenntnis treten wollen, dann ist dieser Text tröstlich: Ich kann die Erkenntnis von Jesus Christus nicht erwerben, nicht erzwingen, nicht kaufen, nicht erringen. Denn sie wird mir geschenkt. Und doch: Ich kann mich auf dieses Geschenk vorbereiten. Denn das Leben, das Johannes lebt, führt zum Wesentlichen. Er verzichtet auf das Unwesentliche.

Sollen wir deshalb alle in die Wüste ziehen, um uns auf die Gotteserkenntnis vorzubereiten? Gewiss nicht. Und doch: Wir können uns empfangsbereit machen. Wir können offen werden, damit wir die Gotteserkenntnis wahrnehmen, die er uns schenkt. So ist heute viel von Johanneischen Stunden oder Tage die Rede - in Erinnerung an Johannes. Und in der Tat: ein solcher Verzicht auf Zeit, solche Zeiten der Stille, sind manchmal schwer auszuhalten. Sie sind aber Grundlage, um für Gottes leise Töne offen zu werden. Dabei kann es eine nicht geringe geistliche Aufgabe sein, auch zeitweise den geistlichen Lärm zu meiden: Ich kann auch so lange und so laut Halleluja brüllen, dass ich Gott nicht mehr höre. Denn Gottes Stimme ist nicht das Ergebnis der Ekstase, sondern sie wächst im Hören, das oft weh tut. In diesem Hören, das zu Jesu Christus führt, will Johannes uns anleiten.

Und dieser Johannes legt keinen Wert auf Äußerlichkeiten. Er macht sich nicht hübsch für die Menschen die ihm begegnen, legt keinen Wert auf die Oberflächlichkeiten, die auch unter uns Christen so sehr gang und gäbe sind. Er will nicht durch Kleidung, Besitz oder smartes Auftreten beeindrucken. Wenn ein Freund von uns vom Heiligabend berichtet: Die sahen alle aus, als wollten sie zu einem Bewerbungsgespräch bei IBM, dann sagt dies viel über unsere Oberflächlichkeit aus. Doch Johannes versucht nicht, durch Oberflächliches zu beeindrucken. Er verweist nicht auf Herkunft, Eltern oder Beruf.

B. Beyer: Doch wie oft sagen wir: "Ach der, der ist doch der Sohn von Mayers". Wie oft definieren wir Menschen nach ihrer Herkunft und ihrem Erscheinungsbild, statt zu fragen, wer sie sind. Wir stecken sie in eine Schublade und nehmen sie darin gefangen. Johannes macht hier eine Aussage an der so mancher Zeitgenosse von Jesus schwer zu knabbern hatte. Er nennt ihn ‚Gottes Sohn'. Eine ungeheure Aussage, gerade in Israel zur Zeitenwende. Denn die Menschen zur Zeit Jesus sagten: Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen? Dieser ist doch Josefs Sohn! Die Umwelt von Jesus war zum überwiegenden Teil sehr skeptisch und konnte nicht glauben, was vor ihren Augen geschah.

Doch Johannes wird diese Erkenntnis von Gott geschenkt. Er fragt nicht nach langen Studien oder wissenschaftlichen Experimenten. Nein: er bekommt diese Erkenntnis von Gott geschenkt! Und so bleibt die Frage: Wann lassen wir uns von Gott beschenken? Wann öffnen wir uns für seine Botschaft?

Diese Botschaft geht so leicht über unsere Lippen und wird in vielen Predigten weiterverbreitet: Jesus ist der Sohn Gottes. Doch welche Bedeutung hatte diese Bezeichnung zur Zeit Jesu? In Israel wurden die israelitischen Könige als ‚Sohn Gottes' bezeichnet. Bei seiner Thronbesteigung wurde nach Psalm 2,7 verkündet "Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt." Sie wurden als Sohn Gottes eingesetzt und sollten das Volk an Gottes Stelle regieren. Daran erkennen wir das dieser Begriff eine große Tragweite hatte - und doch wird sie von Neuen Testament noch übertroffen. Denn das Volk wartete auf den Sohn Gottes in Sinn eines von Gott gesandten Königs. Die Römer hatten vor solch einem König Angst.

Im Neuen Testament kommt ‚Sohn Gottes' an unterschiedlicher Stelle vor, doch in einer noch einmal wesentlich erweiterten Bedeutung. Der Satan redet Jesus mit dem Satz an: Wenn du Sohn Gottes bist, dann mache aus Steine Brot! Natanael, der zuerst sagt: "Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen", bekennt bei der Begegnung mit Jesus: "Du bist der Sohn Gottes." Die Begegnung mit Jesus wandelt ihn und somit auch die Meinung über ihn. Auch Martha wird diese Erkenntnis bei der Auferweckung ihres Bruders Lazarus geschenkt. Diese Erkenntnis gewinnt niemand aus sich selbst. Sie wird vielmehr immer wieder neu geschenkt. Denn zu erkennen, wer Jesus wirklich ist, ist ein Geschenk Gottes. Wir dürfen uns für dieses Geschenk öffnen.

J. Beyer: Doch wer dieses Geschenk erkennt, der entdeckt nicht nur etwas Interessantes. Die Erkenntnis "Jesus Christus, Gottes Sohn, Lamm Gottes, dass die Sünde der Welt trägt", diese Erkenntnis verändert unser Leben. Sie verändert alleine durch das Erkennen, was Gott uns schenkt. Denn wer die Botschaft "Lamm Gottes, dass die Sünde der Welt trägt" ernst nimmt, der findet alleine durch diese Erkenntnis ein neues Gottesverständnis. Lamm Gottes, das heißt zuerst einmal Opfer. Doch schon im Alten Testament ist die Opferkritik unüberhörbar. "Ich bin Eurer Opfer gram", "Gehorsam will ich, nicht Opfer", "Ich habe kein Gefallen an solchen Opfern": Diese und andere Aussagen relativieren bereits im ersten Bund die Bedeutung menschlicher Opfer. Denn Gott hat Opfer nicht nötig. Wir Menschen brauchen sie, damit unsere Hinwendung zu Gott konkret wird, damit sie ein Zeichen setzt, das demjenigen, der das Opfer bringt, etwas kostet. Und doch wird jedes Opfer, jedes Zeichen, das Menschen bringen, zur Ersatzhandlung. Zur Ersatzhandlung für begangene Schuld. Zur Ersatzhandlung, die einen Glauben ersetzen soll, der alle Bereiche des Menschen erfasst: Denken, Fühlen, Erkennen, Beten und das Handeln daraus.

So macht Gott sich in Jesus Christus selbst zum Zeichen für uns. Er macht sich zum Zeichen, dass eben kein Ersatz ist, sondern das zu diesem Glauben führt, der alle Bereiche unseres Lebens erfasst. Lamm Gottes heißt: Gottes Hingabe an uns, die uns verwandeln will. Und damit gewinnt "Sohn Gottes" eine Bedeutung, die alles da Gewesene sprengt, weil Gott uns durch sein eigenes Opfer aus Schuld befreit. Doch wie sollen wir dieses Ereignis erkennen, das uns so verändert?

B. Beyer: Stellen sie sich vor, sie sollen jemanden vom Bahnhof abholen, den sie gar nicht kennen. Sie machen ein Erkennungszeichen aus und gehen zu der Verabredung. Ich weiß nicht wie es ihnen dabei ginge. Ich wäre schon etwas nervös. So manche Frage ginge mir durch den Kopf. Werde ich ihn erkennen? Verpassen wir uns? Kommt er auch an?

So ging es auch Johannes. Er wusste von Gott, er würde irgendwann Jesus treffen und bekam von Gott ein Erkennungszeichen genannt. Er wusste nicht, wann Jesus kommt und wartete. Die Bibel sagt uns nicht, wie lange er warten musste. Doch auf jemanden zu warten, fällt mir persönlich sehr schwer.

Das Erkennungszeichen, das er von Gott bekommen hat, klingt auch sehr seltsam. Es ist weder eine Zeitung in der Hand noch die Nelke im Knopfloch. Der Geist Gottes wird als Taube auf ihn herunterkommen und bei ihm bleiben. Der Geist Gottes bleibt bei ihm. Was heißt das? Ist Jesus erst jetzt fähig, das zu tun was sein Auftrag ist? Hat er jetzt die Vollmacht mit der seine Wunder tut?

J. Beyer: Doch alles hat seine Zeit. So sehr Gott Herr der Zeit ist, so sehr bestimmt er die rechte Zeit für seine Pläne. Dass Gott selbst durch den Geist sichtbar das Geschehen in Jesus Christus wirksam werden lässt, dass er so alles zusammenführt, das bedeutet: In Jesus Christus müssen wir voll und ganz mit Gott rechnen. Es bedeutet aber auch: Nur wo Gott seinen Geist gibt, wird die Erkenntnis möglich, die uns verändert. Die Taufe mit Wasser ist ein zentraler Wegweiser zu dieser Erkenntnis.

B. Beyer: Ich taufe euch mit Wasser, er wird aber euch mit dem Heiligen Geist taufen: Die meisten von ihnen sind wahrscheinlich schon getauft. Entweder als Kinder oder sie haben sich irgendwann selber dafür entschieden. Die meisten waren auch sicher einmal bei einer Taufe. Mit Wasser taufen, dass kann man sehen. Das Wasser wird über den Kopf des Täuflings geschüttet oder wie in der orthodoxen Tradition oder bei den Baptisten und einigen anderen Freikirchen wird der Täufling ganz untergetaucht. Die Wassertaufe kann man sehen. Aber wie ist dies mit der Geisttaufe? Wann und wie sind wir mit dem Heiligen Geist getauft worden? In der Apostelgeschichte wird uns von dem Pfingstereignis und die Taufe mit dem Heiligen Geist berichtet. Aber wie ist dies bei uns?

J. Beyer: Wer Gottes Geist annimmt, weil Gott ihn ihm schenkt, der ist wahrhaft getauft, der glaubt. Und umgekehrt: Wer an Leben, Tod und Auferstehung von Jesus Christus, dem Gottes Sohn, dem Kommen Gottes in unsere Raumzeit, in unser Hier und Jetzt glaubt, der hat den Geist Gottes. Es ist also ungeistlicher Blödsinn, wenn hier mit sehr menschlichen Maßstäben geprüft werden soll, wer zusätzlich zum Glauben auch noch die Geistestaufe hat. Und es ist Gotteslästerung, wenn diese Geistestaufe an irgendein charismatisches Handeln von Menschen gebunden wird, denn Gottes Geist weht, wo er will - laut oder leise.

Von diesem Geist Gottes auch selbst erfüllt, bietet uns Johannes eine Grundlage für den Glauben. In nur sechs Versen bereitet er auch für uns heute geistlich und theologisch den Weg - in einer erschütternden Dichte.

1. Jesus ist Sohn Gottes in einer Bedeutung, die alles da gewesene sprengt. Denn in ihm ist Gott Mensch geworden.

2. Wie Johannes dürfen wir vor Gott und durch Gott unsere Aufgaben erkennen.

3. Gerade der rechte Glaube kann warten und hat Geduld, bis Gott zum Handeln ruft.

4. Gottes Heiliger Geist weht, wo er will. An uns liegt es, sein Wehen nie zu erzwingen und immer zu erwarten.

Wo wir so leben, da kann Gott uns mit dem wahren Glauben füllen.

Wo wir so leben, da können auch wir zu Wegbereitern unseres Herrn Jesus Christus werden.

Wo wir so leben, da wird uns der Tröster Geist in neue Menschen verwandeln.

AMEN

 


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