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An Ostern fingen die Probleme an: Mit Maria aus Magdala den Auferstehungsglauben entdecken

Team-Predigt Osternacht über Johannes 20,1-18 am 31.3.02 in Derendingen

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

 

Johannes 20,1-18: Am ersten Tag der Woche kommt Maria von Magdala früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, daß der Stein vom Grab weg war. Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, den Jesus liebhatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Da ging Petrus und der andere Jünger hinaus, und sie kamen zum Grab. Es liefen aber die zwei miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zum Grab, schaut hinein und sieht die Leinentücher liegen; er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach und ging in das Grab hinein und sieht die Leinentücher liegen, aber das Schweißtuch, das Jesus um das Haupt gebunden war, nicht bei den Leinentüchern liegen, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort. Da ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grab gekommen war, und sah und glaubte. Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, daß er von den Toten auferstehen müßte. Da gingen die Jünger wieder heim.

 

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, daß es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

 

B. Beyer: Warum? Warum musste Jesus so enden? Er zeigte mir Gott mit anderen Augen. Er heilte die Kranken. Er gab den Traurigen Mut und Hoffnung. Alle sind auseinandergelaufen und verstecken sich. Aber ich halte es nicht aus, ich muss zum Grab. Ich will ihm auch als Totem nahe sein. In meinem Herzen ist es so dunkel wie um mich herum. Warum? Ich verstehe das alles nicht.

 

Liebe Geschwister im Herrn,

 

wir wissen nicht, was Maria von Magdala gedacht hat, als sie im Dunkeln ganz alleine zum Grab lief. Aber ich denke: ihr Herz war schwer. Ihre Hoffnungen waren ans Kreuz genagelt. Angst breitet sich aus. Und dann der zweite Schreck: Grabschänder - Jesus war weg. Sie läuft in ihrer Not schnell zu Petrus und berichtet alles.

 

Petrus eilt gleich zum Grab. Er wollte sehen, was sich ereignet hat. Als er ankam, sah er - und sah doch nicht. Er konnte das alles nicht deuten, nicht verstehen, nicht auslegen und deshalb ging er wieder heim.

 

Maria von Magdala aber wollte sich nicht einfach vom Ort des Geschehens trennen. Sie konnte sich nicht damit abfinden, denn die Erfahrung mit Jesus war noch zu lebendig, um einfach zum Alltag zurückzukehren. Sie hoffte, sie würde das Rätsel doch noch lösen. Sie stand da und weinte. Sie blieb in ihrer Trauer. Sie ließ ihrer Trauer freien Lauf. Vielleicht spürte sie, dass sich das Rätsel um das Verschwinden nur am leeren Grab lösen lässt. Oder sie war einfach gelähmt von den schrecklichen Ereignisse der vergangenen Tage und gar nicht fähig, irgendeine Entscheidung zu treffen.

 

Doch plötzlich geschieht etwas. Jesus ruft sie bei ihrem Namen. Dieser Ruf schenkt ihr Erkenntnis. Sie erkennt den Auferstandenen. Sie will ihn festhalten, aber Jesus ist nicht mehr von dieser Welt.

 

J. Beyer: Jesus ist auferstanden, die Welt ist wieder in Ordnung. Maria erwacht auf einer grünen Sommerwiese voller Osterglocken und alle haben sich hübsch gemacht, denn der Hauskreis veranstaltet gerade einen Ausflug in guter Gemeinschaft. Man singt Lobpreislieder und gleich wird Petrus eine zu Herzen gehende Andacht halten.

 

Nein, liebe Geschwister im Herrn: Die Probleme fingen erst einmal an. Mit den Augen dieser Welt betrachtet hätte Maria sich und den Jüngern viel Ärger erspart, wenn sie resigniert gegangen wäre. Der Schmerz und die Enttäuschung wären verblasst, und irgendwann wäre das Leben zur Normalität zurückgekehrt. Doch nach dem Aufbruch dieser Frau, die nach Gottes Plan das zentrale Zeugnis gab, das am Anfang des gesamten christlichen Glaubens überhaupt steht, häufen sich die Probleme: Erst einmal unter der Schar der Apostel und der Nachfolgerinnen und Nachfolger, die die Botschaft von der Auferstehung solange nur zögernd aufgreifen, bis ihnen der Auferstandene selbst begegnet. Und dann folgt die Reaktion der etablierten staatlichen und religiösen Macht: Spott, Hohn, Verfolgung bis zum Tod in Israel und im Römischen Reich: Alles wegen dieser einen Botschaft: Jesus, der Christus, ist von den Toten auferstanden.

 

B. Beyer: Auferstanden von den Toten. Ja so steht es in der Bibel. So hat es Maria von Magdala den Jüngern gesagt. Aber geht es uns nicht oft wie dem Thomas. �Ich will Beweise, sonst glaube ich es nicht'?

 

Manchmal denke ich, die Jünger damals hatten es einfach einfacher. Sie begegneten dem Auferstandenen. Und wir? Bei meinen Schülern mache ich vor Ostern immer eine kleine Umfrage. Sie können zwischen 4 Möglichkeiten wählen:

A: Es gibt keine Auferstehung, also ist Jesus auch nicht auferstanden.

B: Die Auferstehung ist nur ein Bild, dass seine Sache weitergeht.

C: Jesus ist seinen Jüngern als Vision erschienen, sie glaubten dann, dass er bei Gott weiterlebt.

D: Jesus ist auferstanden, so wie es uns die Bibel berichtet.

Die letzte Möglichkeit wählen meistens 0-2 Schüler. Die anderen verteilen sich gleichmäßig auf die anderen Aussagen. Und ich denke nicht nur meine Schüler und Schülerinnen fällt der Glaube an die Auferstehung schwer. Die Erklärungsmuster auch in der Theologie füllen inzwischen Bände. Sind Maria von Magdala, Petrus und all die anderen Zeuginnen und Zeugen dieser unglaubwürdigen Botschaft für uns glaubwürdig oder ist die Auferstehung von Jesus nur etwas, was wir so dahinsagen? Was heißt dies für unser konkretes Leben im Alltag?

 

J. Beyer: Zuerst einmal: Auferstehung ist keine süße Vanillesauce, die wir über alle Probleme unseres Alltags schütten und sie zudecken. Wer sein Leben an dem gekreuzigten und auferstanden Gott ausrichtet, der wird über vieles nicht mehr hinweg schauen können. Er wird vielerlei Schmerz noch intensiver empfinden, wenn er sich mit Jesus Christus auf die Seite der Opfer stellt: Und es gibt genug der unerträglichen Schmerzen, wenn wir versuchen, die Welt mit den Augen des Auferstandenen zu sehen: Gerade mit dem Blick auf den Irrsinn im Heiligen Land, auf die beiden Kriegsverbrecher, die an der Spitze von Israel und Palästina stehen und so unsägliches Leid anrichten - ganz zu schweigen von den fundamentalistischen Terroristen beziehungsweise Siedlern auf beiden Seiten. Und das ist nur ein Blick. Es gibt die Opfer in New York und Afghanistan, die Hungernden im Sudan und den USA, die verfolgten Christen von Russland über Vietnam und Pakistan bis China. Und es gibt bei unsdie Politiker, die in allen Fraktionen zur Zeit an den Machthebeln sitzen und durch ihre verlogenen Machtspiele die Demokratie gefährden. Es gibt jene, die die Sinnlosigkeit ihres Lebens durch Gewalt übertünchen, wie gestern bei dem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Sachsen-Anhalt.

 

Und auch im Nahbereich: Alle, die von der Schließung vom Flammer betroffen sind. Und die Kette reicht weiter von Schülern, die andere Schüler zusammenschlagen über Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft bis hin zu all dem, was selbst unter uns Christen kursiert: Ob der und die fromm genug sind, weil sie dies oder jenes tun, warum jener so lange oder diese so kurz trauert, ob, ob, ob, ob. Wer in dem Auferstandenen den erkennt, der als schuldloses Opfer durch unsere Schuld gekreuzigt wurde, der muss die Augen öffnen, nicht die Welt zutünchen, und für die Opfer, für die Wahrheit, für die Verantwortung aktiv Partei ergreifen. Wirklich für die Schwachen und nicht für die mit der besten Lobby, dem lautesten Schreiorgan oder den meisten Schlagzeilen da sein.

 

B. Beyer: Dies ist die eine Seite unseres christlichen Auftrages. Die andere Seite ist: aus welchem Grund wir für die Schwachen eintreten. Christen und Christinnen wird oft vorgeworfen, dass sich manche Nicht-Christen sozial stärker einsetzen, weil sie alle Kraft auf das Handeln, auf Aktivitäten und Aktionen ausrichten. Aber wir haben einen umfassenderen Auftrag vom Auferstandenen erhalten, als den Auftrag sozial zu handeln. Jesus ist auferstanden und deswegen dürfen und müssen wir die Welt mit anderen Augen sehen.

 

Wenn nur 54% der Deutschen wissen, was an Karfreitag und Ostern gefeiert wird,

Wenn für Viele Kirchenkonzerte an Karfreitag das Wichtigste sind,

Wenn die meisten Menschen Weihnachten für wichtiger als Ostern halten,

dann sind wir an dem Auftrag gescheitert, die Botschaft von Jesus Christus in die Welt hinauszurufen.

 

J. Beyer: Denn ohne den Glauben an die Auferstehung Jesu Christi, die alle Maßstäbe unserer Welt sprengt,

gibt es keinen christlichen Glauben,

gibt es keine Kirche,

gibt es keine christliche Gemeinde,

gibt es keine Christen.

Das gilt gerade auch in unserer evangelischen Konfession. Denn wir wissen, wenn ich mir die Verlautbarungen durchlese, sehr genau, dass wir nicht katholisch sind. Aber ob wir die Auferstehung wirklich ernst nehmen, das wissen wir nicht. Doch am Auferstehungsglauben führt für Christen kein Weg vorbei - an einem Auferstehungsglauben ohne die Krücken der Psychologie, des Weiterlebens einer Idee oder der Beschränkung auf einen Aufstand.

 

Und - Dieser Auferstehungsglaube lässt sich nicht ersetzen durch noch so gute soziale oder sonstige Werke. Er lässt sich nicht auf Brauchtum eindampfen, auf Nationen oder bestimmte Zivilisationskreise beschränken oder mit bestimmten Musik- oder andere Kulturstilen beschreiben. Die Fragen von

Kulturen,

Nationen,

Brauchtum,

politischen Richtungen,

Lebensgewohnheiten

sind wie Staub vor dem was an Karfreitag und Ostern geschehen ist: Gott ist - zum Zeichen seiner Liebe zu uns - als wahrer Mensch ans Kreuz gegangen. Er hat an Ostern gezeigt, dass es eine Wirklichkeit gibt, die über diese Welt hinaus reicht. Eine Wirklichkeit, in der er uns eine Zukunft und ein Zuhause geben will.

 

B. Beyer: So sind wir eingeladen dieses Zeugnis von Maria und Petrus ernst zu nehmen. Gerade Petrus ist zuerst davon gelaufen, konnte das leere Grab nicht verstehen und nahm seinen Alltag wieder auf. Die Begegnung mit dem Auferstandenen am See Genezareth veranlasst ihn zum zweiten Mal, aufzubrechen und alles liegen zu lassen. Von nun an ist er getrieben von dieser unglaublichen Botschaft und fürchtet weder Staatsgewalt, Redeverbot noch Tod. Und aus dem überschäumenden aber unzuverlässigen Eiferer wird eine der Säulen der ersten Christenheit.

 

Wenn auch wir diese Botschaft Ernst nehmen, müssen wir uns fragen lassen, warum wir es immer noch nicht schaffen als Christen mit einer Stimme zu reden und Zeugnis zu geben. Wenn ich mir den Gottesdienstplan im Tagblatt anschaue: Landeskirche, Katholiken und Methodisten, Baptisten, Freikirche und Adventisten, TOS und und und: Sie alle verkündigen die Botschaft von der Auferstehung von Jesus Christus an diesem Ostersonntag nebeneinander her. Und mit den Orthodoxen können wir uns - ohne einer Seite die alleinige Schuld zuzuweisen - noch nicht einmal auf den Termin einigen. Könnten wir dies nicht gemeinsam auf dem Marktplatz tun?

 

J. Beyer: Denn Ostern ist die Einladung zum Glauben an alle, an jede und jeden Einzelnen von uns. Auch uns ruft der Auferstandene Jesus Christus zu sich. Auch uns ruft der ganz persönlich. Maria von Magdala ist für uns eine glaubhafte Zeugin der Auferstehung, obwohl zur Zeit Jesu die Frauen kein Zeugnisrecht vor Gericht hatten. Gott erwählt sie als ersten Schlüssel zu Ostern. Jesus der Auferstandene gibt ihr den Auftrag, folgendes von ihm weiterzugeben: "Ich fahre auf zu meinem und zu eurem Vater." Dieser Jesus Christus hat uns durch sein Leben, seinen Tod am Kreuz und die Auferstehung seinen Vater ganz nahe gebracht. Jesus Christus schickt Maria von Magdala als erste Zeugin in die Welt, um die frohmachende Botschaft zu verkünden: Denn Jesus Christus lebt.

 

Vertrauen wir dieser Botschaft und vertrauen wir darauf, dass Jesus auch unser Leben ändern will: Durch lebendigen Glauben, Hoffnung für diese und die kommende Welt und gelebte Liebe, die Verantwortung übernimmt für die Opfer dieser Welt. Vertrauen wir darauf, dass er auch unserem Leben eine Zukunft über den Tod hinaus geben will.

 

Doch Ostern bleibt nicht bei uns stehen. Wie Maria und die Jünger will er uns alle aussenden, damit wir die Osterbotschaft weitertragen. Dabei lässt er uns nie allein. Denn er hat auch uns versprochen, bei uns zu bleiben - alle Tage dieser Welt.

 

In diesem Vertrauen können wir getrost und unverzagt in dieser Welt glauben und in Liebe handeln. Und: Wir können in aller Gewissheit auf die kommende Welt hoffen.

 

Der Herr ist auferstanden - Halleluja

Gemeinde: er ist wahrhaftig auferstanden - Halleluja

 


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