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Ein Historisches Ereignis als Grundlage: Die Gemeinschaft der auferstehungsgläubingen Narren

Osternachts-Predigt über 1. Kor. 15, 1-11 am 20.4.03 in der Gallus-Kirche Derendingen

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

 

Wir hören auf den ersten Brief des Paulus an die Korinther Kapitel 15 die Verse 111

 

Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr's festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, daß ihr umsonst gläubig geworden wärt. Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Daß Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und daß er begraben worden ist; und daß er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und daß er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.

 

Herr, tue meine Lippen auf. Lass meinen Mund Deine Auferstehungsbotschaft verkündigen. Herr lass uns hören wie die Jünger.

 

Liebe Geschwister im Herrn, die Botschaft unserer Osterkerze, sie schafft Gemeinschaft Gemeinschaft der Narren. Denn sie redet davon, dass es eine Hoffnung gibt, wenn wir dem Tod ins Gesicht schauen müssen. Unsere Osterkerze hat nämlich als Motiv die rechte Stehle aus dem PrimusTruberHaus, die Stehle Hoffnung. Letzten Dienstag wurde sie uns von unserer katholischen Nachbargemeinde St. Michael überreicht. Schwester Davidica war vom Motiv unseres Gemeindehauses so angeregt, dass sie in diesem Jahr dieses Motiv für die Osterkerzen für St. Michael und für uns gewählt hat: Das Zeichen der Hoffnung, der Hoffnung jener Narren, die darauf vertrauen, dass dieser am Kreuz hingerichtete Jesus lebt. Der Hoffnung jener Narren, die darauf vertrauen, dass auch sie in ihm den Tod überwinden.

 

Und damit ist nicht nur das Weiterleben einer Idee gemeint. Damit ist nicht gemeint, dass irgendwann nach dem Tode eines gewissen Jesus irgendetwas geglaubt wurde, was unabhängig von den geschichtlichen Fakten ist. Paulus argumentiert im Korintherbrief so, dass gerichtsverwertbare Fakten dargestellt werden. Deshalb verzichtet er auf die Frauen, die vor Gericht kein Zeugnis abgeben durften. Deshalb die Aufzählung der Zeugen – einmal sind es über 500 und der Verweis darauf, dass die meisten von ihnen noch leben und befragt werden können. Da bleibt kein Spielraum für Deuteleien: Die grundlegende Botschaft der ersten Christen lautet: Jesus hat den Tod überwunden, in ihm werden auch wir den Tod überwinden und haben eine Existenz über unsere Gräber hinaus. Und um diesen Anspruch noch einmal zu unterstreichen, betont Paulus direkt im Anschluss an unseren Predigttext: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.“

 

Diese Botschaft steht im schärfsten Gegensatz zur Vernunft unserer Welt – sie ist wie gesagt eine Narretei. Und auch die vier Evangelien unterstreichen diese Zumutung: Als geschichtliche, nach juristischen Maßstäben bezeugte Tatsache. Eine Tatsache, die von verschiedenen unabhängigen Quellen bestätigt und somit in einem Maß dokumentiert ist, wie kaum ein anderes Geschehen dieser Zeit. Wenn die Christen also an Ostern zum Auferstehungsglauben einladen, dann haben sie eine Grundlage, die weit über eine diffuse Spiritualität hinaus geht.

 

Der persönliche Glaube, die persönliche Christus-Beziehung, die persönliche Nachfolge sind entscheidend und nicht zu ersetzen. Doch Paulus zeigt uns, dass dieser Glaube, diese Erfahrung, diese Nachfolge eben nicht nur persönliche und subjektive Einbildung oder Annahme ist. Christlicher Glaube kann seine Grundlage nur in der Auferstehung haben. Für Christen ist sie der historische Kern, der Anfang und das Ende unseres Christseins. Und dieser Glaube und alles was daraus folgt ist eben nicht nur austauschbare persönliche Meinung, sondern ist an das historische Geschehen von Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi untrennbar gebunden.

 

Damit besteht unser Christsein immer aus einem persönlichen Zugang, einer persönlichen Berufung, einem ganz eigenen Weg. Zugleich besteht aber auch der objektive Zuspruch und Anspruch an uns, der unserem persönlichen Belieben entzogen ist. Dieser Anspruch und Zuspruch Gottes begegnet uns am direktesten und objektivsten in der Bibel. Der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi ist der Kern dieses Zuspruchs Gottes von außen. Sie öffnet uns den Weg in ein kommendes Leben, das jenseits des Friedhofs liegt. So schreibt Paulus direkt im Anschluss: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“

 

Selbst solche zentrale Fragen des christlichen Glaubens wie die nach der Rechtfertigung des Sünders, nach Amt und Sakrament in der Kirche, nach dem richtigen Handeln in Verantwortung vor Gott brauchen wir alle überhaupt nicht zu stellen, wenn wir nicht diese Hoffnung haben, die über den Friedhof hinaus reicht. Ohne das leere Grab, ohne den Christus, der den Tod des Körpers überwunden hat, können wir die Sorge um die Zukunft der Welt dem Roten Kreuz, Greenpeace oder UNICEF überlassen, die alle ein respektables und wichtiges Engagement in dieser Welt leben – und eben doch von den Zwängen der Welt gefangen sind, die letztlich alle ihre Grundlage in der Wirklichkeit des Todes haben. Nur wenn wir als Christen aus der Gewissheit einer anderen Welt leben, können wir in Beten und Arbeiten, in Wort und Tat, im Vertrauen auf Gottes Liebe und die Zukunft, die er gibt, diese Welt weiterreichend im Kleine und im Großen gestalten.

 

Deshalb steht an Ostern nur einer im Mittelpunkt: Der Auferstandene. Für unsere ach so aufgeklärte Zeit, in der nach einer Meinungsumfrage nur noch ein Drittel der Bürger überhaupt weiß, dass wir Christen an Ostern die Auferstehung feiern, ist das in der Tat eine Narretei, ein Ärgernis, das, was der menschlichen Erfahrung widerspricht: „Wenn die Erde ins Grab rieselt, dann ist das Ende erreicht.“ So lenken Ostereier und -hasen von Karfreitag und Ostern ab, zumal sich der Gekreuzigte und Auferstandene viel schlechter vermarkten lässt, als das süße Weihnachtsbaby mit seinem Milupa-Lächeln in der Hochglanz-Krippe. Und auch die christlichen Konfessionen überschlagen sich damit, die Botschaft vom Skandal des gekreuzigten Gottes und von der Narretei der Auferstehung durch allerlei Geschwätz und kulturelles Getue so in Watte zu packen, dass wir es uns kaum noch berührt und dass diese Festtage möglichst das allgemeine Wohlgefühl nicht stören.

 

Doch für all die Menschen, von deren Begegnung mit dem Auferstandenen Paulus in unserem Predigttext berichtet, begann weder eine Zeit vollendeten Friedens in dieser Welt noch ein Gemeindeleben voll immerwährender Freude und ständig lächelnd geschminkter Harmonie. Ostern hat nichts damit zu tun, sich durch ständiges HallelujaGeträller in eine Art fromme Sebsthypnose zu versetzen.

 

Ostern: Das ist eine grundsätzliche neue Lebensperspektive, die durch die Auferstehung, das Kreuz und das Leben von Jesus unser Leben neu entdeckt. Das heißt: Wir können nicht anders, als etwas zu glauben, was in dieser Welt Narretei ist. Wir können nicht anders, als für einen brutalen FolterTod dankbar sein. Wir können nicht anders, als in diesem Geschehen am Kreuz die Brücke zu entdecken, die Gott selber für uns gebaut hat. Und wir können nicht anders, als die Maßstäbe für unser Leben von diesem Mann aus Nazareth zu beziehen, dessen Weg bis ans Kreuz führte. Wir können nicht anders, wenn wir dieses die ganze Weltordnung durchbrechende Ereignis Ernst nehmen, in dem uns Gott zeigt: Er selber war es, der uns in Leben und Tod Jesu Christi ein Grundbeispiel des Lebens geben hat.

 

Und dieses Grundbeispiel ist die Botschaft des Kreuzes der Verantwortung, nicht des Kreuzzuges der Machtgier.

Dieses Grundbeispiel ist das Handeln aus Nächstenliebe, nicht das sozialpolitische Geschachere, das sich selbst im Wohlgefühl des Gutmenschtums suhlen will, wobei die Kosten aber den anderen aufgebürdet werden.

 

Dieses Grundbeispiel heißt, nicht die Frage zu stellen: „Wo versäume ich etwas, weil ich ja in diesem Leben alles mitnehmen will?“ Sondern: „Wo muss ich um der anderen willen auch einmal zurück stecken? Wo zerstöre ich meine Brücke in die kommende Welt, weil ich mich durch Lebensgier an diese Welt binde, die in meinem Sarg endet.

 

Die Auferstehung ist der zentrale, einzige Stützpfeiler der Kirche, der Gemeinschaft der Christen, des christlichen Glaubens, ohne den wirklich alles zusammenbricht, ohne den Kirche, Gemeinde und Christen nicht mehr sind, als eine Wüste voller antiker Trümmer, die allenfalls noch fürs Museum taugen.

Dieser Stützpfeiler ist die Mitte der Christenheit, ist für uns alle Hoffnung und Lebensgrundlage. Hier finden wir das Licht des Lebens. Seit der frühen Kirche ist die Osterkerze das Zeichen dieses Lichtes. Sie zeigt uns, was uns verbindet und welche Gemeinschaft Jesus meint, wenn er um die Einheit der Christen fleht. Denn die Einheit die er schenkt, ist die Einheit derer, die ihre Lebenshoffnung in der Auferstehung finden. Mit all diesen will sich Gottes Auferstehungshoffnung einen Weg in diese Welt bahnen.

 

Dies gilt auch, wenn die einen das Abendmahl so sehr für sich behalten wollen, dass sie sogar Ehen am Tisch des Herrn scheiden, während die Anderen in ihrer Gemeinde so gerne unter sich, dass für sie gemeinsame Veranstaltungen bestenfalls eine Pflichtübung sind. Doch diese Auferstehungshoffnung ist genauso unteilbar, wie das, was Paulus als den Leib Christi bezeichnet: Die Gemeinschaft aller Christen. Auch wenn wir heute entgegen dieser Verheißung in evangelischen, katholischen, methodistischen, baptistischen, orthodoxen, menonitischen, adventistischen, freikirchlichen und sonstigen Gottesdiensten letztlich nebeneinander die Auferstehung bekennen und feiern: Das Licht von Ostern verbindet uns in unendlichem Jubel und in grenzenloser Dankbarkeit. Denn es ist das einzige, was in dieser Welt letztgültige Hoffnung gibt.

 

Die Feier der heiligen Osternacht ist die Einladung, diese Hoffnung zu entdecken. Sie ist Einladung, diese Hoffnung ganz persönlich ernst zu nehmen und dabei zu wissen: Dies ist nicht nur mein ganz persönliches Gefühl. Dies ist kein Teil in einem esoterischen Puzzle, mit den ich mir aus dem Baukasten der unendlichen Möglichkeiten meinen Privatgötzen zusammenbastele, der doch nur eines ist: Spiegel meiner Seele.

 

Denn Paulus lädt uns zu einer Hoffnung ein, die im Zeugnis der Vielzahl von Menschen ihre Grundlage hat: Von Menschen, die erlebt haben, wie das Unmögliche ganz konkret und greifbar möglich wird: Der Tod hat seine Endgültigkeit verloren, denn Jesus Christus ist auferstanden, In ihm gibt Gott auch uns neues Leben, eine neue Lebensgrundlage, die uns von Grund auf verwandelt.

 

Lasst diese Botschaft Eure Herzen erreichen,

macht sie zum Mittelpunkt Eures Lebens,

feiert sie,

lebt sie

und gebt sie weiter.

 

Osterruf (Gesungen):

Der Herr ist auferstanden Halleluja

Er ist wahrhaftig auferstanden Halleluja


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