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Große Schritte - Zum Weltgebetstag 2001

Predigt von Beate Beyer über Esther am 2.3.01 in Derendingen

Liebe Geschwister im Herrn,

einen großen Schritt müssen wir im Leben manchmal wagen um einen Abgrund zu überwinden. An einem solchen Abgrund standen Ester und die kanaanäische Frau. Ester bekommt den Auftrag, ihr Leben für ein Volk einzusetzen, dass ihr fremd geworden ist. Die kanaanäische Frau ist verzweifelt über die Besessenheit ihrer Tochter.

Ester hat sich als Königin in Persien von den eigenen Wurzeln entfernt und sich dem Land in dem sie lebte angepasst. Ihr Vormund erinnert sie an ihre Herkunft und auch daran, dass sie die einzige Chance des jüdischen Volkes ist. Sie steht vor der Frage, ihren eigenen Kopf zu retten oder sich an ihre Wurzeln zu erinnern und ihre Identität neu zu entdecken. Sie steht am Abgrund. Im ersten Moment reagiert sie abweisend und hilflos. Würde es uns nicht auch so gehen? Es wird etwas von uns erwartet und wir fühlen uns überfordert. Wo haben wir das Gefühl am Abgrund zu stehen?

Stille

 

Ester hatte Angst. Wir alle kennen dieses Gefühl. Angst gehört zum Leben und manchmal ist sie auch notwendig, um uns vor Gefahren zu schützen. Wenn sie uns aber auffrisst und lähmt, dann wird Angst krankhaft. Ester lässt sich nicht lähmen - sie handelt. Sie erkennt, dass sie jetzt alles auf eine Karte setzten muss und setzt ihr Leben ein für viele. Ihr Mut besiegt die Angst.

Auch die kanaanäische Frau macht etwas Ungeheuerliches. Als Frau und Ausländerin spricht sie den jüdischen Mann Jesus an. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch sie sehr viel Mut brauchte, um ihre Angst zu überwinden. Aber wie, so fragen wir - wie schafften es diese beiden Frauen, ihre Angst zu überwinden und einen so großen Sprung zu wagen? Bei der kanaanäischen Frau wissen wir es nicht - wir können vielleicht etwas aus der Begegnung mit dem Messias, dem Retter Gottes erahnen. Aber Ester stürzt sich nicht kopfüber in ein Abenteuer, sondern sie weiß, dass sie für den Sprung Kraft benötigt. Sie ruft alle Juden auf, mit ihr zu fasten. Auch sie und ihre Dienerinnen fasten und beten drei Tage lang. Sie erhofft sich von dem Hilfe, der ihrem Volk immer wieder geholfen hat. Dieser Gott will auch uns helfen. Doch wir haben es einfacher: Er ist uns noch ein Stück näher gekommen als Ester, weil er Mensch geworden ist. Erhoffen wir von ihm Hilfe und Kraft? Vertrauen wir auf den, der uns mit seinem Leben neue Wege zeigte, mit seinem Tod uns mit sich versöhnte und uns neue Hoffnung schenkte durch seine Auferstehung?

Stille

 

Für sich selbst will Ester nichts erreichen. Sie kämpft um das Leben des Volkes, dass sie als das ihre wiederentdeckt. Sie setzt ihr Leben für andere ein - bis hin zu der Einstellung: "Wenn ich umkomme, komme ich eben um." Ein Satz, der fast trotzig klingt. Und doch steckt hinter ihm eine Tragweite, die wir nicht so einfach nachvollziehen können. Ich stand - Gott sei Dank - noch nie vor einer solchen Entscheidung. Ich weiß auch nicht, wie ich an Esters Stelle reagiert hätte. Wie weit bin ich bereit, für andere etwas zu tun? Vor kurzem habe ich meinen Schülern einen Film gezeigt: "Eine Niere für meine Freundin." In diesem Filmt spendet eine Frau ihrer schwer kranken Freundin eine Niere. Sie geht das Risiko der Operation ein und das Risiko selber nur mit einer Niere zu leben. Am Ende des Films stand eine äußerst lebhafte Diskussion mit der Frage: Was würden wir tun?

Auch die kanaanäische Frau kämpft nicht für sich, sondern für ihre Toch-ter! Sie stellt sich bloß und erniedrigt sich. Und Jesus weist sie erst einmal sehr brutal zurück. Und doch: Sie lässt sich nicht beirren. Sie weiß: Von diesem Menschen Jesus geht Gottes Heil aus. Wegen ihrer Standhaftigkeit und ihrem Glauben schenkt Jesus der Tochter Heilung. Was können wir von diesen Frauen lernen?

 

Stille

 

Vielleicht ist das größte Geschenk, dass beide ihre Angst besiegen und mutig werden. Sie nehmen den anderen wahr und setzten sich für ihn ein, in dem sie bitten - beten.

"Da hilft nur noch beten." Kennen sie diesen Satz? Ist denn das Gebet nur der letzte Notanker, wenn gar nichts mehr hilft? Ester hat ihre Wurzeln verloren und auch ihre Beziehung zu Gott. In ihrer Not wendet sie sich ihm wieder zu. Sie und ihr Volk erfahren Hilfe. Genau in diesem Punkt können wir von ihr lernen. Sie geht in Stille und Gebet und entdeckt dabei, dass es noch etwas größeres und wichtigeres gibt, als das Leben am Persischen Hof. Auch für uns ist es wichtig, über unseren Tellerrand hinauszuschauen. In diesem Gottesdienst schauen wir nach Samoa. Unser Blick wird geschärft für die Freuden und die Sorgen der Frauen in Samoa.

So dürfen wir gemeinsam mit Ester miteinander wieder entdecken, wie wichtig es ist füreinander und miteinander zu beten. Wir dürfen auf die Kraft des Gebetes und Gottes Freundschaft hoffen. Ester schafft durch das gemeinsame Fasten und Beten das Unmögliche, denn bei Gott ist nichts unmöglich. Durch Fasten und Beten wächst sie über sich selbst hinaus und wird fähig zu handeln. Schon Benedikt von Nursia, der Ordengründer der Benediktiner, erkannte, dass Beten und Handeln zusammengehört. Sein Leitspruch war "ora et labora", bete und arbeite.

Genau dies haben die Frauen von Samoa erkannt und zum Thema dieses Weltgebetstages gemacht.

- Wir müssen über unseren Tellerrand schauen und voneinander lernen

- Wir dürfen uns gemeinsam vertrauensvoll an den dreieinigen Gott wenden und miteinander beten

- Wir können gestärkt durch das Gebet gemeinsam handeln.

 

Amen

 


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