Konfessionsverbindende Ehen und Familien sind kein Problem - Sie sind die Lösung

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  • Das Welttreffen - Ein Rückblick

    Erfahrungen des zweiten Welttreffens konfessionsverbindender Paare und Familien in Rom

    Zusammenfassung

    Nach der ersten Weltkonferenz konfessionsverbindender Familien 1998 in Genf beim Ökumenischen Weltrat der Kirchen fand nun die zweite Weltkonferenz 2003 in der Nähe von Rom, dem Sitz des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, statt. Das Thema lautete: "Vereint in Taufe und Ehe - konfessionsverbindende Familien, berufen zum gemeinsamen Leben in der Kirche Jesu Christi für die Versöhung unserer Kirchen". An der Konferenz nahmen 228 Erwachsene (davon etwa 20 Geistliche verschiedener Konfessionen) und nahezu 100 Kinder und Jugendliche teil. Das Programm umfasste Vorträge, Podiumsdiskussionen und Gruppengespräche, die simultan in die 4 Konferenzsprachen (Englisch, Franzö­sisch, Deutsch und Italienisch) übersetzt wurden. Täglich gab es Morgen- oder Abendandachten, außerdem wurden drei Abendmahls- bzw. Eucharistiegottesdienste gefeiert (Waldensisch/Methodistisch/Reformiert, Anglikanisch/Lutherisch und Römisch-Katholisch). Grundlage der Vorträge und Diskussionen war ein theologisches Vorbereitungs-Papier, das im Vorfeld der Konferenz von einem internationalen Komitee ausgearbeitet worden war. Es wurde von den Konferenzteilnehmern als "Rom-Papier" angenommen. Außerdem wurde eine Schlussbotschaft entworfen, im Plenum diskutiert und verabschiedet.


    Ziele der Weltkonferenz

     

    Motivierung der konfessionsverbindenden Familien als Pioniere und Wegbereiter der Ökumene, um ihre besondere Lebenswirklichkeit als Aufgabe zu erkennen, zur Versöhnung der Kirchen beizutragen. Austausch zwischen konfessionsverbindenden Paaren und Familien über Sprach- und Ländergrenzen hinweg darüber, was es bedeutet, in Taufe und Ehe miteinander verbunden zu sein und so eine "Hauskirche" zu bilden. Gespräche mit hochrangigen Vertretern der Kirchen und mit Theologen, insbesondere mit Mitgliedern des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Kirchen in Rom, um ihnen die Anliegen konfessionsverbindender Familien deutlich zu machen.


    Teilnehmer

    Zu der Weltkonferenz versammelten sich 228 Erwachsene aus wenigstens 7 verschiedenen Konfessionen (konfessionsverbindende Ehepaare, einzelne Personen, sowie etwa 20 Geistliche verschiedener Konfessionen) und etwa 100 Kinder und Jugendliche. Die Teilnehmer kamen aus folgenden Ländern: Frankreich 71, England 57, Italien 24, Österreich 20, Schweiz 19, Deutschland 14, Kanada 9, USA 8, Belgien 2, Nordirland 2, Australien 2.


    Ablauf der Weltkonferenz

    Der Ablauf ist aus dem beigefügten Programm zu ersehen (siehe Anlage 1). Die Konferenz-Tage Freitag, 25. Juli und Samstag, 26. Juli umfassten jeweils: Zu Beginn einen Abendmahlsgottesdienst nach Waldensisch/Methodistisch/Reformierter und am Samstag abend nach Anglikanisch/Lutherischer Tradition. Einen Vortragsteil im Auditorium: Am Freitag mit dem waldensischen Theologen Daniele Garrone, am Samstag (nach der Verlesung von Grußbotschaften u. a. von Kardinal Walter Kasper) mit Msgr. Fortino vom Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen, sowie mit Bischof Chiaretti, dem Ökumene-Beauftragten der italienischen Bischofskonferenz. Eine an den Vortragsteil anschließende Podiumsdiskussion Am Nachmittag die AGORA: Teilnehmer hatten Stände aufgebaut, gaben Auskunft über die Situation in ihren Ländern und verteilten die in mehreren Sprachen verfassten Länderberichte. Anschließend Sitzungen von Arbeitsgruppen (Workshops) von jeweils etwa 10 Teilnehmern zu vorgegebenen Themen. Diese Sitzungen fanden im Park des Tagungshauses im Schatten von alten Bäumen statt.
    Eingeschoben wurde am Freitag, 25. Juli über die Mittagszeit die Fahrt einer Delegation von ca. 50 Teilnehmern aus allen vertretenen Ländern und Konfessionen nach Rom zu einem Besuch beim Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen im Vatikan. Die Delegation wurde dort von Msgr. Jack Radano willkommen geheißen, der eine Übersicht über die vielfältigen Akti­vi­täten dieser päpstlichen Behörde gab. Durch den Sprecher der Delegation, Canon Martin Reardon, wurde das "Rom-Papier" in allen vier Konferenzsprachen an Msgr. Rodano übergeben. Außerdem wurde der Wunsch nach vertieften inhaltlichen Gesprächen zwischen Ver­tretern der Länder-Organisationen konfessionsverbindender Familien und dem Päpstlichen Rat vorgetragen.
    Am Sonntag, 27. Juli wurde zunächst ein römisch-katholischer Eucharistie-Gottesdienst gefeiert. Dann fuhren die meisten Konferenzteilnehmer mit Bussen nach Castel Gandolfo, um dort beim Angelus-Gebet von Papst Johannes Paul II dabei zu sein. Im Anschluss an dieses Gebet begrüßte der Papst die anwesenden Gruppen und dabei auch die konfessionsverbindenden Familien der Weltkonferenz. Der kurze, auf französich vorgetragenen Text des Grußworts ist in der Anlage 3 beigefügt.
    Anschließend gab es die Möglichkeit, das "Anglikanische Zentrum" in Rom zu besuchen oder eine kurze Besichtigungstour im Stadtzentrum von Rom zu unternehmen. Der Sonntag schloss wieder mit einer Abendandacht, die in sehr bewegender Weise von den teilnehmenden Jugendlichen gestaltet wurde.
    Der Abschlusstag der Konferenz (Montag, 28. Juli) begann mit einer Plenums-Sitzung, bei der - nach verschiedenen Dankesworten - das theologische Vorbereitungs-Papier nach kurzer Aussprache als "Rom-Papier" gutgeheißen wurde. Es folgte eine Diskussion zu der Frage, ob, wo und wann eine dritte Weltkonferenz abgehalten werden sollte. Dann wurde sehr lebhaft die als Entwurf vorliegende Schlussbotschaft diskutiert. Ein Redaktionsteam sammelte die eingebrachten Änderungs- und Ergänzungsvorschläge und arbeitete sie in den Entwurf ein. Schließlich wurde der endgültige Text nahezu einstimmig gebilligt.
    Den Abschluss der Konferenz bildete ein fröhlicher ökumenischer Gottesdienst in der Kirche, bei dem viele Teilnehmer und auch die Kinder und Jugendlichen mitwirkten. Der Gottesdienst endete mit einem Segen, der von allen anwesenden Geistlichen der verschiedenen Konfessio­nen gemeinsam gespendet wurde.

    Wesentliche Ergebnisse

    Konkrete Ergebnisse der Weltkonferenz sind die verabschiedeten Dokumente: Das "Rom-Papier", das als Grundlagendokument für die künftigen Gespräche mit den Kirchenleitungen, aber auch für die Diskussionen innerhalb der verschiedenen Länder-Organisationen dienen kann. Die Schlussbotschaft, die die Visionen und Hoffnungen nicht nur der Konferenzteilnehmer, sondern aller konfessionsverbindender Familien zum Ausdruck bringt.
    Ein ebenfalls wichtiges Ergebnis sind die entstandenen Kontakte zu führenden Kirchenvertretern. Insbesondere wurden die Kontakte zum Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen in Rom vertieft durch die Grußbotschaft von Kadinal Walter Kasper an die Konferenzteilnehmer den Vortrag von Msgr. Fortino, dem beim Päpstlichen Einheitsrat zuständigen Referenten für das Thema der konfessionsverbindenden Familien. den Empfang einer Delegation der Konferenzteilnehmer beim Päpstlichen Einheitsrat durch Msgr. Radano. Das dabei übergebene Rom-Papier wird sicherlich mit Aufmerksamkeit gelesen und ausgewertet werden. Möglicherweise werden dann in der Zu­kunft auch vertiefte Gespräche möglich werden. Nicht zuletzt ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache bedeutsam, dass der Papst beim Angelus-Gebet in Castel Gandolfo am Sonntag, 27. Juli die konfessionsverbindenden Familien besonders erwähnt und gesegnet hat.
    Vielleicht das wichtigste, nicht in konkreten Fakten formulierbare Ergebnis der Konferenz sind die zahlreichen persönlichen Begegnungen, Gespräche und Diskussionen zwischen den Teilnehmern im internationalen Rahmen. Durch die vertieften Kontakte zwischen den Mitgliedern der Länder-Organisationen ist ein weltweites Netzwerk entstanden, das als Gesprächspartner gegenüber den Kirchen auftreten kann, um so die Anliegen der kon­fessionsverbindenden Familien zu vertreten.
    Ein zentrales Thema wurde in allen Gesprächen, in den Workshops und auch in den Vorträgen immer wieder angesprochen: Die Ermöglichung der Gastfreundschaft am Tisch des Herrn für konfessionsverbindende Familien. Schon bei der ersten Weltkonferenz in Genf war dieses brennende Anliegen in der Schlussbotschaft so formuliert worden: "Als kleinste Zellen von Kirche und in diesem Sinne als "Hauskirchen" (ecclesiae domesticae) bitten wir unsere Kirchen aufs Dringlichste, unserem tiefen Verlangen zu entsprechen, indem sie uns eindeutig einladen, am Mahl des Herrn gemeinsam teilzunehmen (und zwar in allen christlichen Kirchen und Gemeinschaften), um so die Hoffnung der ganzen Kirche nach Einheit zum Ausdruck zu bringen." Leider ist dieser Bitte bisher nicht entsprochen worden. Daher heißt es in der Schlussbotschaft von Rom erneut: "Wir hoffen, dass weitere seelsorgerliche Lösungen für die gemeinsame Teilnahme an Abendmahl und Eucharistie in der Konfession des Partners gefunden werden, bis die vollständige eucharistische Gemeinschaft der Christen erreicht ist."
    In der Abschluss-Sitzung der Weltkonferenz sprachen sich die Teilnehmer mit überwältigender Mehrheit für die Abhaltung einer dritten Weltkonferenz in 4 Jahren aus. Von zahlreichen Teilnehmern wurden Vorschläge für die organisatorische und inhaltliche Gestaltung einer solchen Folgekonferenz eingebracht. In dem oben erwähnten Netzwerk der Länder-Organi­sationen muss geklärt werden, ob, wann und wo eine dritte Weltkonferenz stattfinden sollte und welche Visionen und Ziele sie haben könnte. Besondere Beachtung fand der Vorschlag österreichischer Vertreter, die nächste Weltkonferenz in Zusammenarbeit mit den Ungarn in Budapest abzuhalten.

    Organisation

    Veranstalter der Weltkonferenz war das internationale PREPROMA-Komitee, dem 30 Vertreter/innen aus den vier verschiedenen Sprachzonen angehörten. Dieses Komitee hatte in einer mehrjährigen Vorbereitungszeit zwei Sitzungen in Torre Pellice (Norditalien) und in Lyon abgehalten, um die Zielsetzung, das Programm und den Ablauf zu vereinbaren. Innerhalb des PREPROMA-Komitees gab es ein Leitungsteam aus Vertretern der vier Sprachzonen, das in zwei mehrtägigen Sitzungen in Lyon die Detailplanung ausarbei­tete. Dieses Leitungsteam war dann auch für die Organisation der Weltkonferenz zuständig. Die Gesamt-Koordination lag in den Händen von Pamela Fiévét und Nicola Kontzi-Méresse (Centre St. Irénée in Lyon). Melanie Finch (Association of Interchurch Families in England) sprang in manche Bresche und trug so in besonderer Weise zum Gelingen der Weltkonferenz bei.
    Angesichts enormer Schwierigkeiten - alle Mitglieder des PREPROMA-Komitees und des Leitungsteams waren ehrenamtlich tätig und durch ihre beruflichen und familiären Verpflichtungen sehr in Anspruch genommen, das italienische Mitglied des Leitungsteams wohnt in Mailand, also weit weg vom Veranstaltungsort Rom, und erkrankte zudem noch kurz vor der Weltkonferenz, die übrigen Mitglieder des Leitungsteams beherrschten nur wenig Italienisch, es gab keine Organisations-Unterstützung vor Ort, der Leiter des Tagungshauses sprach ausser Italienisch nur etwas Französisch usw. - war es fast ein Wunder, dass die Weltkonferenz im Großen und Ganzen gesehen gut ablief und dass es nur wenige Pannen gab.
    Zu dem doch noch gelungenen organisatorischen Ablauf trug wesentlich bei, dass das Tagungshaus "Villa Mondo Migliore", ein von katholischen Patres des Oblaten-Ordens geführtes Tagungszentrum, fast ideale Voraussetzungen bot: Alle Konferenzteilnehmer waren in dem sehr schön oberhalb des Albaner Sees gelegenen Gebäudekomplex untergebracht, es stand die Kirche für die Gottesdienste zur Verfügung, im Auditorium war genügend Platz für die Plenar-Veranstaltungen und es konnten Dolmetscher-Kabinen aufgebaut werden, die AGORA war in den großzügigen Gängen gut plaziert, und nicht zuletzt: Im großen Speisesaal hatten alle etwa 320 Erwachsene und Kinder Platz und das Essen war gut. Der herrliche Park mit den alten, Schatten gebenden Bäumen war ein idealer Ort für die Gruppensitzungen. Da die Hausordnung ab 23:00 Uhr Stille in den Räumen vorsah, bot sich der Park auch für das abendliche Zusammensein an.

    Verfasser dieses Berichts: Rudolf und Rosmarie Lauber


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