Konfessionsverbindende Ehen und Familien sind kein Problem - Sie sind die Lösung

Netzwerk Ökumene: konfessionsverbindende Paare und Familien in Deutschland

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    Länderbericht Deutschland - für den 2. Weltkongress konfessionsverbindender Familien Rom 2003

    Kirchliche Situation

     

    Deutschland als das Land, in dem mit Martin Luther die Reformation ihren Ausgang nahm, ist bis heute weitgehend ein Land von zwei Konfessionen: Der römisch-katholischen und der überwiegend lutherisch geprägten evangelischen Konfession. Daneben gibt es natürlich Freikirchen, Altkatholiken und Orthodoxe. Sie sind aber eine Minderheit.

     

    Durch die Bevölkerungsvermischung als Folge der Flüchtlingsströme nach dem zweiten Weltkrieg leben jetzt an den meisten Orten beide Konfessionen nebeneinander. Dies hat zur Folge, dass in vielen Gegenden jede zweite oder dritte Ehe konfessionsverschieden ist.

     

    In Ostdeutschland (der ehemaligen DDR) hat die über 40 Jahre währende atheistische Herrschaft eine weitgehende Entkirchlichung bewirkt. Dort sind die Christen beider Konfession eine kleine Minderheit, während bis zu 80 % der Bevölkerung keiner christlichen Kirche angehört.

     

     

    Situation konfessionsverschiedener Paare und Familien

     

    Seit den sechziger Jahren - seit dem vatikanischen Konzil - erfolgte ein intensiver ökumenischer Aufbruch. Charakteristisch dafür ist, dass der früher übliche, eher abwertende Begriff „Mischehe“ ersetzt wurde durch die neutrale Bezeichnung „konfessionsverschiedene Ehe“. Seit einigen Jahren wird zunehmend der positive Begriff „konfessionsverbindende Ehe“ verwendet.

    Inzwischen gehen in vielen Gemeinden römisch-katholische Pfarrer oft bis an die Grenze des kirchen--recht-lich Möglichen oder sogar darüber hinaus. So ist es heute vielerorts übliche Praxis geworden, dass konfessionsverschiedene Paare ganz selbstverständlich zum Herren-mahl gehen - in beiden Kirchen.

     

    Aber obwohl so viele Ehen konfessionsverschieden sind, wird dies in den Gottesdiensten kaum zur Kenntnis genommen. Es gibt keine besondere Seelsorge. Die Teilnahme am Gemeindeleben ist nach wie vor in manchen Gemeinden schwierig, wo die konfessions-verschiedene Ehe immer noch als Schwierigkeit gesehen wird.

     

    Im Februar 1997 beschloss die Ökumene-Kommission der Deutschen (katholischen) Bi-schofs--konferenz, dass die zuständigen Pfarrer konfessionsverschiedene Paare zum ge-mein-samen Empfang der Eucharistie zulassen können, wenn die Trennung am Tisch des Herrn als Belastung erfahren wird. Aber dieser Beschluss der Ökumene-Kommission wurde den Pfarrern nie mitgeteilt. Er wurde nur von zwei Bischöfen (die Bischöfe von Bamberg und von Wien) in ihren jeweiligen Diözesen als offizielle Regelung in Kraft gesetzt. Viele Ehe-paare kennen die Bestimmungen der Kirchen nicht und denken nach wie vor, gemeinsame Eucharistie und Abendmahl sei strikt verboten. Dies führt dazu, dass sie nicht daran teilnehmen. Oft ist dies mit ein Grund dafür, sich nicht mehr am kirchlichen Leben zu beteiligen.

     

     

    Die katholische deutsche Bischofskonferenz hat nun im Frühjahr 2002 die Frage der offiziellen Zulassung evangelischer Partner in konfessionsverschiedenen Ehen diskutiert. In einem Pressebericht des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, heißt es:

    „Für unsere konfessionelle Situation stellt sich vor allem die Frage der Stellung der kon-fessions-verschiedenen oder - wie man heute öfter auch sagt - der konfessionsver-bindenden Ehe. Man kann diese freilich nicht den bekannten Notsituationen, wie besonders Lebens-gefahr, Gefängnis oder Tod, gleichordnen. Konfessionsverchiedene Ehen stellen eine eigene Lebens-situation von Christen dar, deren eheliche Gemeinschaft in der Taufe begründet und durch die christliche Eheschließung sakramental verwurzelt ist. Es muss noch eingehender geprüft werden, wie weit diese besondere ekklesiale Dichte dieser Ehegemeinschaften eine Ausnahme und damit Zulassung zur Eucharistie rechtfertigen könnte. Dabei kommt es jedoch weniger auf einmalige Ereignisse vor allem des Familienlebens, wie z. B. Erstkommunion, an, sondern mehr auf die kontinuierlichen Bemühungen dieser Eheleute auf einem gemeinsamen Weg des Glaubens.“

     

    Es war geplant, einen Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz in dieser Frage noch vor dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin im Mai 2003 herbeizuführen und zu veröffentlichen. Allerdings sollte die zu erwartende Enzyklika zum Thema „Kirche und Eucharistie“ berücksichtigt werden. Deshalb ist mit einer erheblichen Verzögerung zu rechnen. Zu befürchten ist, dass da-durch gerade diejenigen konfessions-verbindenden Paare weiter in die Resignation getrieben werden, die ihre Zugehörigkeit zur Kirche noch ernst nehmen.

     

     

    Das Netzwerk konfessionsverbindender Paare und Familien

     

    Wochenend-Seminare für konfessionsverschiedene Familien gab es in Deutschland an verschiedenen Orten seit 1970, z. B. im Bene-diktinerkloster Neresheim, um Erfahrungen auszutauschen und sich Ermutigung zu holen. Doch ein überregionales Forum für den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen „Betroffenen“ gibt es in Deutschland erst seit 1999. Im Oktober dieses Jahres - am Vortag der Unterzeich-nung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungsfrage - wurde in Augsburg das „Netz-werk konfessions-ver-bindender Paare und Familien“ gegründet.

     

    Das Netzwerk hat die Ziele:

    • Stimme der konfessionsverbindenden Paare in der einen Kirche Jesu Christi zu sein.

    • Die Lebenswirklichkeit und die Erfahrungen konfessionsverbindender Ehen für die Kirchen fruchtbar zu machen.

    • Das Bewusstsein zu wecken, dass die konfessionsverbindende Ehe ein Modell für die Einheit in versöhnter Verschiedenheit ist.

     

    Um keinen eigenen Verein gründen zu müssen, geschieht die Arbeit des Netzwerks rechtlich im Rahmen der AÖK Arbeitsgemeinschaft Ökumenischer Kreise e. V.

    Das Netzwerk umfasst Gruppen, Paare und Einzelpersonen. Es gibt keine formale Mitglied-schaft, sondern nur eine lose Verbindung über eine Adressenliste (gegenwärtig etwa 400 Adressen) . Diese Adressenliste wird in einer ehrenamtlich arbeitendenGeschäftsstelle geführt. Die Aktivitäten des Netzwerks werden durch einen Leitungskreis koordiniert, dem 9 Personen angehören. Die Bearbeitung aller Aufgaben erfolgt in Form ehrenamtlicher Tätigkeit. Das Netzwerk wird ausschließlich über Spenden finanziert.

     

     

    Jahrestagungen des Netzwerks

     

    Seit seiner Gründung führt das Netzwerk jährlich eine Tagung durch, bei der jeweils katholische und evangelische Referenten über ein Thema vortragen, das dann von den Teilnehmern ausführlich diskutiert wird.

     

    Die Orte und Themen der bisherigen Jahrestagungen waren:

     

    • Freising 2000: Konfessionsverbindende Ehe (un)erwünscht? Sind wir Last oder Chance für die Kirchen?

    • Heilsbronn 2001: Glaubensalltag in der konfessionsverbindenden Ehe und Familie.

    • Burg Rothenfels 2002: Die Feier des Herrenmahls - theologische und praktische Fragen in ökumenischer Sicht.

    • Burg Rothenfels 2003: Unterschiedliches Amtsverständnis - Hindernis oder Heraus-forderung für uns?

     

     

    Präsenz des Netzwerks auf Kirchentagen

     

    In Deutschland gibt es eine lange Tradition der sog. Kirchentage bzw. Katholikentage, die von Laienorganisationen vorbereitet und durchgeführt werden. Es sind dies Großver-anstal-tungen, zu denen jeweils zwischen 50 000 und 100 000 vorwiegend jüngere Teilnehmer zusammenkommen, um Referate zu hören und zu diskutieren, Podiumsver-an-staltungen zu besuchen, bei Bibelarbeiten mitzuwirken und Gottesdienste zu feiern. Außer-dem präsentieren sich Verbände, Gruppen und Initiativen auf Ständen bei einem „Markt“ (der neuerdings als AGORA, dem griechischen Wort für „Marktplatz“ bezeichnet wird) . Alternierend findet jeweils entweder ein Katho-likentag oder ein evangelischer Kirchentag statt. Der letzte Katholikentag war im Jahr 2000 in Hamburg, der letzte evangelische Kirchentag 2001 in Frankfurt.

     

    Erstmalig wurde nun in diesem Jahr von den beiden katholischen und evangelischen Laien-Organisationen gemeinsam ein „Ökumenischer Kirchentag“ in Berlin vom 28. Mai bis 1. Juni in Berlin abgehalten. Daran nahmen mehr als 200 000 Besucher teil, also mehr als beim evangelischen Kirchentag und beim Katholikentag zusammen.

     

    Das Netzwerk war in der Vergangenheit bereits bei den evangelischen Kirchentagen in Stuttgart und in Frankfurt mit einem Messestand vertreten. Auch beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin hatte das Netzwerk auf der AGORA einen Stand, der ständig von „Betroffenen“, aber auch von Seelsorgern verschiedener Konfessionen, umlagert war. Außerdem waren Mitglieder unseres Netzwerks bei Podiums-Veranstaltungen beteiligt. Ein besonders eindrückliches Ereignis war ein von unserem Netzwerk gestalteter Gottesdienst in einer Kirche mit dem Thema: „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt - konfes-sions-verbin-den-de Familien, ihr seid die Lotsen der Ökumene“.

     

     

    Internet-Präsenz

     

    Das Netzwerk konfessionsverbindender Paare und Familien kann im Internet erreicht werden unter der Adresse: konfessionsverbindend.oekumene.net

     







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